Fremdmanager
„Suchen Sie am besten einen wie mich!“

Ein Großteil der Familienunternehmen betrachten Fremdmanager an der Spitze des Unternehmens als Notlösung, sie glauben, nur Familienmitgliedern richtig vertrauen zu können. Dabei hängt der Erfolg eines Fremdmanagers von der persönlichen Bindung zur Unternehmerfamilie und deren Einflussnahme aufs Geschäft ab. Die Fremdmanager-Typen im Überblick.

DÜSSELDORF. "Mensch, haben Sie´s hier gut gehabt", staunten seine Kollegen der großen Dax-Konzerne, als Hermut Kormann bei Voith zum Abschied in den Ruhestand eine fulminante Party spendiert bekam. Die Familiengesellschafter des größten Papiermaschinenherstellers weltweit hatten das Who is who der deutschen Wirtschaft nach Heidenheim geladen. Sie wollten ihrem besten Mann im vergangenen April nach fast 20 Jahren Zusammenarbeit - davon acht Jahre als Vorstandschef - Danke sagen. Danke dafür, dass er mit Voith-Aufsichtsratchef Michael Rogowski Anfang der 90er-Jahre Voith rettete, als es wegen Familienstreitigkeiten fast zum Bruch kam. Und dafür, dass Voith heute mit fünf Milliarden Euro Umsatz zu den größten Familienunternehmen Europas zählt.

Das rauschende Fest hat sich der heute 67-jährige Kormann hart erarbeitet. Musste er sich doch seine Machtstellung im Unternehmen und das Vertrauen der Eigentümer wie alle Fremdmanager in Familienunternehmen erst einmal erkämpfen. 78 Prozent der Familienunternehmen halten es eher mit dem Motto "Blut ist dicker als Wasser" und betrachten Fremdmanager an der Spitze als Notlösung, ergab eine aktuelle Umfrage des Wirtschaftsprüfers Pricewaterhouse Coopers unter 118 Familienunternehmen. Und: Fast 60 Prozent glauben, eigentlich nur Familienmitgliedern richtig vertrauen zu können. Aber es geht in vielen Unternehmen nicht ohne Fremdmanager - und da kommt es darauf an, welchen Typus sich der Familienclan ins Haus holt.

Auf vier verschiedene Archetypen von Fremdmanagern stieß Familienunternehmensforscher Dankwart von Schultzendorff: der Intimus, der Exekutor, der Paladin und der Majordomus. "Diese vier Typen unterscheiden sich durch den Grad an persönlicher Bindung zur Unternehmerfamilie und ihrer Bereitschaft, eine direkte Einflussnahme auf die Unternehmensgeschicke zu dulden oder eben nicht", erläutert Tom Rüsen vom Wittener Institut für Familienunternehmen der Privaten Universität Witten/Herdecke. "Suchen Sie so einen wie mich" lautet oft der Auftrag an den Headhunter, wenn Familienunternehmer nach einem Topmanager für ihr Unternehmen fahnden. "Würden Sie einen wie sich überhaupt ertragen?" kontert Ernst Heilgenthal von der Personalberatung Gemini Executive Search aus Köln in solchen Fällen und rät stattdessen, sich jemanden zu suchen, der nicht nur fachlich gut ist, sondern mit dem der Unternehmer ebenso gerne einen Abend am Biertresen verbringen würde. Heilgenthal: "Solche Entscheidungen trifft man auch aus dem Bauch heraus. Und nur wenn der Inhaber instinktiv Vertrauen in eine Person hat, kann die Fremdmanagerlösung Erfolg haben."

So wurde etwa Kasper Rorsted, Vorstandschef von Henkel, vom Personalausschuss des Familienunternehmens erst intensiv auf Herz und Nieren überprüft, bevor er im vergangenen Jahr den Chefposten antreten durfte. Um sicherzustellen, dass der Topmanager nicht nur das Geschäft beherrscht, sondern auch ein offenes Ohr für die Anliegen der Familie hat, kümmern sich Mitglieder des Gesellschafterkreises bei Henkel traditionell darum, neue Frontmänner auf ihre Familienkompatibilität zu testen.

Der Familie eng verbunden fühlt sich typischerweise der Intimus. Während viele Manager Berufliches und Privates strikt trennen, wertet der Intimus es als Beweis seiner besonderen Nähe zum Kreis der Eigentümer, wenn er in Familienfragen einbezogen wird. Sein Vorteil: Mehr als jeder andere Fremdmanagertyp will er zum Gedeihen des Familienunternehmens beitragen. Ist er sich mit dem Eigentümer sachlich und menschlich einig, ist seine Leistungsbereitschaft und-fähigkeit hoch. Ist das Verhältnis jedoch getrübt, wirkt sich dies auch direkt auf seine Leistung aus. Er strebt nicht danach, mit Macht seine Position im Unternehmen auszubauen. Der Rückhalt der Eigentümerfamilie ist ihm Machtbasis genug. Dass der Familienunternehmer sich immer wieder ins Geschäft einmischt, ist der Intimus gewöhnt, und es stört ihn auch nicht.

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