Frühjahrsumfrage
Familienunternehmen werden skeptischer

Die schwächere Wirtschaftsdynamik kommt bei den familiengeführten Firmen an, sie beurteilen ihre Lage zunehmend schlechter. Auch international aufgestellte Unternehmen haben es schwerer. Vieles hängt an der Euro-Krise.
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DüsseldorfHansgrohe verkauft Armaturen und Brausen in aller Welt. Dank seiner internationalen Ausrichtung ist das Familienunternehmen bislang gut durch die Krise gekommen – doch das Geschäft wird schwieriger: „Wir sind 2013 auch gut unterwegs, aber im Vergleich zum dynamischen Wachstum hat sich das Geschäft ein Stück weit normalisiert“, sagt ein Unternehmenssprecher. Vor allem in den Krisenländern Europas sei es äußerst schwierig, Zuwächse zu erzielen. In Spanien und Italien habe man Einbußen. „Doch noch können wir das mit unserem übrigen Europa-Geschäft kompensieren“, sagt der Sprecher.

Damit ist Hansgrohe ein Paradebeispiel, denn die größten familiengeführten Firmen beurteilen die wirtschaftliche Lage zunehmend schlechter. Das geht aus der Frühjahrsbefragung der Deutschen Bank und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hervor, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt. 54 Prozent schätzen die Lage als „gut“ oder „sehr gut“ ein – das sind gut fünf Prozentpunkte weniger als im Herbst. Rund 41 Prozent gehen von „befriedigenden“, gut fünf von „schlechten“ oder „sehr schlechten“ Geschäften aus.

Im Vergleich zum Vorjahr wird die Skepsis besonders deutlich: Damals sprachen noch 73 Prozent von einer „guten“ oder „sehr guten“ Lage. „In einigen Branchen gibt es bereits eine Abkühlung, der Frost ist aber noch nicht angekommen“, sagt Professor Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, Handelsblatt Online.

Infografik

So beurteilen die Familienunternehmen die Wirtschaftslage

in Prozent


Die Stabilisierung der Wirtschaft in der Euro-Zone geht langsamer als erhofft voran, das merken die Unternehmen. Auch EZB-Chef Mario Draghi gesteht ein: „Die wirtschaftliche Situation im Euro-Raum ist weiterhin schwierig, aber es gibt ein paar Anzeichen für eine mögliche Stabilisierung“, sagte Draghi am Montag auf einer Konferenz in Shanghai. Die Europäische Zentralbank (EZB) gehe daher weiterhin von dem Szenario aus, dass gegen Ende des Jahres eine Erholung „sehr allmählich“ einsetzen werde. Mehrere Institute haben ihre Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum nach unten korrigiert, zuletzt schraubte auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Vorhersage herunter.

Die Euro-Krise bleibt daher das bestimmende Thema, obwohl sie weniger Familienunternehmen bei ihren Geschäften beeinflusst. Gut die Hälfte der befragten Firmen stellt immer noch einen negativen Einfluss der Krise auf ihre Geschäftstätigkeit fest, das sind aber zehn Prozentpunkte weniger als vor einem halben Jahr. Der Erhalt des Euro steht bei den Unternehmen an erster Stelle der wirtschaftspolitischen Handlungsfelder. Für vier von fünf befragten Firmen hat die Stabilisierung der Gemeinschaftswährung eine „hohe“ oder „sehr hohe“ Priorität. Die Firmen wünschten sich „ein reibungslos funktionierendes Währungssystem ohne verdeckte Kosten“, sagt Hennerkes.

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  • Absolut korrekt.
    Aber nie vergessen: Es ist VOR den Wahlen - da ist jedes Mittel recht, eurorettungs- und regierungskonform zu berichten bzw. das auszulegen, was genehm ist.

  • "Für vier von fünf befragten Firmen hat die Stabilisierung der Gemeinschaftswährung eine „hohe“ oder „sehr hohe“ Priorität. Die Firmen wünschten sich „ein reibungslos funktionierendes Währungssystem ohne verdeckte Kosten“, sagt Hennerkes."
    Tut mir leid, aber aus sozialwissenschaftlicher Sicht wurde da offenbar bei der Fragestellung geschludert.
    Wenn ich Leute frage, ob sie mehr oder weniger Stabilität wollen ist die Antwort klar. Wenn ich sie frage ob sie versteckte Kosten mögen ist die Antwort auch klar. Sinnvoll wäre gewesen zu fragen ob sie für eine fortgesetzte Eurorettung bei gleichzeitiger Erhöhung der Abgabenlast sind. So kriegt man relevante Befragungsergebnisse.

  • Wie haeh, letzte Woche hatten wir doch akuten non-academic Fachkraeftemangel im heiligen deutschen Mittelstand??! Jetzt schon wieder alles truebe und Einstellungsstop?

    Nachdem unsere traditionsbewussten hidden champions sich ja auch mittlerweile in 42 Laendern bewegen und bevorzugt in Asien und Osteuropa fertigen lassen, seh ich da noch ganz viel zukuenftiges Potential auf dem Mars. Meine haette letztes nen paar interessante Artikel und Videos zu gesehn.

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