Funketikett
RFID bleibt Nischentechnik

Er hat vielleicht den schwierigsten Job, den es in der Intralogistik zurzeit gibt: Ernesto Woest muss Unternehmen davon überzeugen, die neuen RFID-Funketiketten einzusetzen. Denn er ist Ansprechpartner für RFID-Kunden beim Etikettentechniker Stielow in Norderstedt.

KÖLN. Auf taube Ohren stößt Woest bei seinen Kunden nicht. Im Gegenteil: Viele fragen von selbst nach der Technik mit dem sperrigen Namen „Radio Frequency Identification“. Sie haben Angst, sonst eine wichtige Entwicklung zu verschlafen.

Doch dann rechnen sie die RFID-Lösung durch - und werden regelmäßig skeptisch. Wie der mittelständische Technik-Versender, dessen teure Transportbehälter dauernd abhandenkommen, erzählt Woest. Theoretisch wäre es für ihn eine ideale Lösung, die Behälter mit RFID-Etiketten auszustatten. Beim Verladen fahren sie durch ein Tor, ein Scanner funkt sie an, und schon weiß der Computer, welcher Behälter wo geblieben ist. Doch seit der Chef kalkuliert hat, wie teuer die nötigen Geräte ihn kommen, überlegt er neu.

Manchen Betrieben fehlen verlässliche technische Standards, wieder anderen sind die Etiketten zu teuer - und viele wissen überhaupt nicht, was sie mit den neuen Transpondern anfangen sollen. Woest hat bisher kaum etwas verkauft: „Mit RFID verdienen wir im Moment nur unsere Portokosten.“ Das geht auch anderen Intralogistikern ähnlich. Laut einer Umfrage der Technischen Universität Berlin hatten sich im vergangenen Sommer zwar schon 67 Prozent der Unternehmen über RFID informiert, aber nur zehn Prozent setzten die Transponder auch tatsächlich ein, um ihren Materialfluss zu steuern. Fast alle beschränkten sich dabei auf wenige Produkte.

Dabei schwärmen die Anbieter seit Jahren von der Technik. Der große Vorteil der Transponder: Sie übermitteln ihre Daten per Funk. Dazu brauchen sie nicht mal eine Batterie. Anders als beim Strichcode-Scanner ist es dem RFID-Lesegerät egal, wo der Transponder sitzt. Und es kann mehrere gleichzeitig auslesen. Optimisten entwerfen daraus Visionen von den Fabriken der Zukunft. Darin haben Paletten und Kisten eigene Intelligenz. Mit Hilfe der RFID-Etiketten erkennen sie, was sie geladen haben. Dann suchen sie mit ihrer Ladung selbstständig den richtigen Weg durch die Fabrik. Die eingebaute Software sorgt dafür, dass alles am richtigen Ort ankommt. Logistik-Forscher schwärmen vom „Internet der Dinge“, in dem Waren, Pakete und Paletten miteinander kommunizieren.

Solche Prozesse funktionieren zurzeit allerdings fast nur in Laboren. In der Praxis fehlt meist noch die richtige Software, um sie zu steuern. Insider sagen auch, dass sich die Transponder noch nicht immer zuverlässig lesen lassen. Selbst wenn das Internet der Dinge eines Tages fertig ist - ob der Mittelstand es überhaupt braucht, ist fraglich. „Die meisten unserer Kunden wären nicht bereit, einen solchen finanziellen Aufwand zu tragen“, sagt Marco Ehrhardt, Geschäftsführer beim Lagerlogistik-Lieferanten Ehrhardt und Partner aus Boppard.

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