Ganzheitlicherer Produktionssystemplanung
Sicheres Arbeiten steigert Effizienz

Beim Stuttgarter Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation beobachtet man die parallele Entwicklung von Sicherheits- und Effizienzgewinn in Unternehmen. "Die Produktionssystemplanung der Firmen wird ganzheitlicher", sagt Strategieexperte Oliver Scholtz. "Denn wegen des Kostendrucks müssen Unternehmen ihre Produktivität weiter steigern und parallel den Krankenstand senken."

STUTTGART. Am Anfang stand ein herber Rückschlag: 1999 brannte beim Maschinenbauer Lauffer aus Horb am Neckar die komplette Fabrik ab. Binnen Wochen musste der Hersteller von hydraulischen Pressen ein Provisorium einrichten und parallel das neue Werk für 240 Mitarbeiter aufbauen. Binnen 18 Monaten gelang der 60 Mill. Euro teure Kraftakt. "Wir arbeiten jetzt 40 Prozent effizienter als in der alten Fertigung", sagt Werksleiter Walter Daibler.

Statt sechs verfügt die Halle nun über 15 Kräne, was die Abläufe beschleunigt. Denn zum einen muss niemand mehr warten, bis ein Kran frei ist, und die Mitarbeiter müssen viel seltener als zuvor ohne maschinelle Hilfe arbeiten. Ergebnis: "Die Zahl der Rückenbeschwerden und Fingerquetschungen sind massiv zurückgegangen", sagt Daibler. Und besser gegen Feuer geschützt ist die Anlage obendrein.

Beim Stuttgarter Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation beobachtet man die parallele Entwicklung von Sicherheits- und Effizienzgewinn in Unternehmen. "Die Produktionssystemplanung der Firmen wird ganzheitlicher", sagt Strategieexperte Oliver Scholtz. "Denn wegen des Kostendrucks müssen Unternehmen ihre Produktivität weiter steigern und parallel den Krankenstand senken." Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels spiele auch das Argument attraktiver und ergonomischer Arbeitsplätze zunehmend eine größere Rolle, um junge Mitarbeiter für den eigenen Betrieb zu gewinnen und ältere bis zur Rente mit 67 Jahren beschäftigen zu können.

Die Carl Stahl GmbH in Süßen hat Unternehmen im Blick, die auf Sicherheit setzen und damit auch effizienter arbeiten wollen. Der Spezialist für Seil- und Hebetechnik liefert unter anderem Hubtische und Kräne; bei Bedarf als Gesamtpaket inklusive Beratung, wenn Kunden ganze Fertigungshallen neu bauen oder einrichten. "Wer schon mal beim Verladen eine versandfertige Maschine beschädigt hat, die dann nicht ausgeliefert werden kann, ist für das Thema sensibilisiert", sagt Geschäftsführer Wolfgang Schwenger.

Experten und Praktiker sind sich einig, dass in der Inneneinrichtung von Fabrikhallen noch Optimierungspotentiale schlummern, die am besten durch eine frühzeitige Zusammenarbeit gefunden werden. So unterstützt das Sicherheitsunternehmen Carl Stahl zum Beispiel Maschinenbauer mit seinem Know-How bereits bei der Entwicklung neuer Produkte, damit die ohne große Probleme transportiert werden können. Und damit sowohl Arbeitsunfälle der Mitarbeiter als auch Schäden an den Maschinen vermieden werden. Zum Beispiel definieren die Experten, wo Anschlagpunkte sitzen müssen, um die Maschine später möglichst einfach während seiner Herstellung durch die Montage und danach zum Kunden befördern zu können.

Häufig gehen auch Verbesserungen bei einzelnen Geräten Hand in Hand mit einer Erhöhung der Arbeitssicherheit. "Die Abgrenzung von technischen Spezifikationen gegenüber Arbeitssicherheit oder Ergonomie ist zunehmend fließend", sagt Helmut Blome, Leiter des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in St. Augustin.

Seine 250 Mitarbeiter beleuchten im Auftrag der bundesweit 16 Berufsgenossenschaften strittige Arbeitsunfälle als Sachverständige. "Seit Jahren sind zum Beispiel Sägeblätter auf dem Markt, die Lärmemissionen beim Schneiden von Metall, Stein oder Holz um bis zu 15 Dezibel senken. Gleichzeitig garantiert die verminderte Vibration, dass das Blatt doppelt solange hält und zudem präziser schneidet", sagt Blome. "Durchgesetzt haben die sich am Markt aber noch nicht, weil sie 20 Prozent teurer als herkömmliche Blätter sind." Und viele Unternehmen die Kosten kranker Mitarbeiter immer noch unterschätzen.

Die können sich für das Unternehmen schnell auf tausende Euro summieren,wenn ein wichtiger Mitarbeiter in der Fertigung wochenlang mit Kopfschmerzen fehlt, weil der Boden Giftstoffe emittiert oder Lärm und Hitze zu groß sind. Um mehr Unternehmen von den Vorteilen des Arbeitsschutzes zu überzeugen, hat das Institut Checklisten mit einfachen, praxisnahen Tipps für rund 500 unterschiedliche Berufe entwickelt. Und hofft, dass nun auch die lärmarmen Sägeblätter endlich größeren Absatz finden.

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