Hamburger Projekt Karostar
Hotspot der deutschen Musikwirtschaft

Das Hamburger Projekt Karostar hilft Plattenlabels, Musikern, Agenten und Filmemachern bei der Existenzgründung. Das Konzept der kleinen Einheiten als Konter gegen Branchenkrise und den Wegzug des Musikmultis Universal trägt Früchte: Hamburg ist ein Hotspot der deutschen Musikwirtschaft.

HAMBURG. Mitten im schnelllebigen Hamburger Szenekiez St. Pauli stehen sie sich gegenüber: die alte, rundum sanierte Rinderschlachthalle und der klinkerrote Büroneubau Karostar. Prachtvoll das Design aus Tradition und Moderne, das Stadtplaner so sehr schätzen. Den Übergang weisen Holzbohlen als Riesenveranda, fast so groß wie ein Fußballfeld. Spätestens beim Blick auf die Tribüne am Ende des Platzes wird klar: Hier sind Hamburgs Bretter, die die Welt bedeuten. Hier spielt die Musik.

Musikmachen und Vermarkten, das ist im Karolinenviertel ein Duett der besonderen Art: Die beiden Häuser beherbergen junge Plattenlabels, Musiker, Verleger, Händler, Nachwuchs-Agenten und PR-Spezialisten sowie Filmemacher unter einem Dach. Hamburgs Konzept der kleinen Einheiten als Konter gegen Branchenkrise und den Wegzug des Musikmultis Universal vor fünf Jahren trägt Früchte: „Wir sind inzwischen der Hotspot der deutschen Musikwirtschaft“, sagt Kurt Reinken, Projektleiter bei der Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg (Steg). Die GmbH bewirtschaftet der Karostar treuhänderisch. Die Idee dahinter: „Wir reagieren auf den Strukturwandel der Musikwirtschaft, indem wir Raum für kleine Einheiten und neue Geschäftsideen bieten“, sagt Reinke, der mehrmals am Tag die zwei Minuten von der Steg zum Karostar radelt.

Seit mehr als einem Jahr will die „Kreativ Fabrik“ vom Kiez so gar nicht in die Dauernörgelei der großen Plattenfirmen passen. Deren Bosse jammern eigentlich immer: dass man langfristig Gewinne nur mit globalen Stars wie Madonna und Robbie Williams machen kann, dass Raubkopierer und illegale Tauschbörsen im Internet ihnen die Rendite verhageln.

Und immer noch ächzen die Branchengiganten dem digitalen Trend hinterher. Zwar nahmen die Verkäufe von Musikdateien im Internet 2006 um 40 Prozent zu. Mit 42 Millionen Euro ist ihr Anteil am Musikumsatz allerdings noch klein und reicht nicht aus, um den Umsatzrückgang bei CD’s und Vinyl auszugleichen. Seit Ende der 90er-Jahre verloren die Plattenfirmen weltweit mehr als 20 Prozent ihres Umsatzes, in Deutschland waren es sogar bis zu 50 Prozent. Allein in den Jahren 2000 bis 2003 verloren sie mehr als 800 Millionen Euro Umsatz, danach fiel der Sinkflug gemächlicher aus. In den vergangenen drei Jahren waren es nur noch etwas mehr als 100 Millionen Euro.

Während die Großen wie Universal oder Warner Music Group bei Plattenverkäufen in Millionen denken, rechnen die 40 Karostar-Firmen mit Tausender-Auflagen und Umsätzen im einstelligen Millionenbereich.

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