Boge aus Bielefeld
Druckluft für den langen Atem

Boge aus Bielefeld ist einer der weltweit führenden Hersteller von Kompressoren. Der Urenkel des Firmengründers hat die Firma behutsam neu ausgerichtet – und vertraut bei der Führung auf drei wichtige Prinzipien.
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BielefeldSchon der Standort zeigt, warum das Unternehmen den Titel „Hidden Champion“ verdient. Der Firmensitz von Boge Kompressoren liegt in Bielefeld - einer Stadt, von der Verschwörungstheoretiker behaupten, sie existiere gar nicht. Doch genau dort, im Ortsteil Jöllenbeck sitzt einer der weltweit führenden Hersteller von Drucklufttechnik. Gut versteckt. Oder wie man in Ostwestfalen sagt: Drumherum ist viel Gegend.

So unscheinbar wie der Standort ist auch das Produkt, mit dem Boge seine Geschäfte macht. Die Bielefelder bauen Kompressoren. Große Maschinen, die Luft einsaugen und mit Kolben oder riesigen Schrauben verdichten, um sie als Druckluft wieder abzugeben. Fast jeder Industriebetrieb hat einen Kompressor im Keller stehen, Boge beliefert mehr als 100.000 Unternehmen in 120 Ländern. Zu den wichtigsten Kunden zählen medizinische Anwender: Laut Boge nutzen 95 Prozent aller deutschen Krankenhäuser Druckluft des Unternehmens.

Geschäftsführer Wolf Dietrich Meier-Scheuven führt das Familienunternehmen in der vierten Generation. Sein Urgroßvater Otto Boge hat die Firma 1907 gegründet. Boge war ein Tüftler, er entwickelte Türschließer und Motorräder. Doch schon in den 20er-Jahren baute er die ersten Kolbenkompressoren und erkannte schnell den wirtschaftlichen Vorteil dieses Produktes: Kompressoren können das ganze Jahr über verkauft werden, und zwar mit großer Marge an Geschäftskunden.

Heute arbeiten bei Boge 650 Mitarbeiter an Standorten auf vier Kontinenten, der Großteil jedoch in Bielefeld. Der Mittelständler erwirtschaftet mehr als 60 Prozent seines Umsatzes im Ausland. BMW in China nutzt Boge-Kompressoren und Mumm Sekt richtet seine Etiketten mit Druckluft „made in Bielefeld“ aus. Das internationale Flair ist recht neu bei Boge. Als Meier-Scheuven 1994 das Geschäft von seinem Vater Wolfgang übernahm, hatte das Unternehmen fast nur Kunden aus Deutschland. „Mein Vater ist nie in seinem Berufsleben geflogen, daher war unsere Expansion begrenzt.“ Lediglich in den Nachbarländern Holland und Belgien gab es Tochtergesellschaften.

Als erste Amtshandlung entwarf der neue Geschäftsführer eine Strategie, um das Unternehmen international auszubauen. Trotzdem war sein Ziel damals ziemlich bescheiden: „Ich wollte die Firma mindestens so gut weitergeben, wie ich sie übernommen hatte“, erinnert sich Meier-Scheuven. Das hat er geschafft: Während das Geschäft in Deutschland gleich geblieben ist, hat sich der weltweite Umsatz verdreifacht und soll in diesem Jahr 120 Millionen Euro betragen.

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