Hohe Nachfrage
Anleihen helfen dem Image

Anleihen sind als Refinanzierungsinstrument bei deutschen mittelständischen Unternehmen bisher eher die Ausnahme. Das hat seinen Grund

FRANKFURT. Rein von den Kosten her sei die Refinanzierung über klassische Kredite in der Regel meist günstiger als über Anleihen, räumt Alexander von zur Mühlen ein, der bei der Deutschen Bank das Kapitalmarktteam in Frankfurt leitet. Deshalb und wegen der nötigen Transparenz bei einer Bondemission hielten sich gerade deutsche Mittelständler, die vor allem die Hausbank als Finanzierungsquelle nutzten, zurück.

Angesichts der nachhaltig hohen Nachfrage nach Anleihen auch von Unternehmen ohne Rating oder mit einer schwächeren Bonitätsnote hätten sich die Unterschiede allerdings teilweise verwischt, betont von zur Mühlen. In der Tat haben sich ausstehende Anleihen von Mittelständlern zumindest zum Teil gut entwickelt. So begab der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister vor gut zwei Jahren eine 2011 fällige Anleihe mit einem Zinsschein von 9,75 Prozent. Der Kurs ist stark gestiegen, der Bond rentiert nur noch mit 5,7 Prozent.

Das zentrale Argument, mit dem Banken Mittelständlern die Platzierung von Anleihen schmackhaft machen wollen, lautet, dass sie ihre Refinanzierung auf breitere Beine stellen sollen. Dieses Argument kommt offenbar an. „Wir hören von vielen Unternehmen, dass sie sich durch eine Bondemission von den Banken unabhängiger machen und sich eine Finanzierungsalternative erschließen wollen“, sagt Maria Bissinger, Bereichsleiterin für Unternehmensratings bei Standard & Poor’s (S&P). Die ausgewogene Refinanzierung war auch ein Grund für die jüngste Anleiheemission des Kabelspezialisten Leoni.

„Dazu kommt der Mehrwert, den eine Anleihe allein dadurch bringt, dass sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird“, sagt von zur Mühlen. Außerdem müssten Unternehmen in der Regel für Anleihen – anders als bei Krediten – keine Sicherheiten hinterlegen und könnten sich langfristig Kapital beschaffen. „Mit Anleihen können auch mittelständische Unternehmen, die über externe Ratings verfügen, für bis zu zehn Jahre Fremdkapital aufnehmen, während bei Schuldscheinen oder bilateralen Krediten in der Regel maximal fünf Jahre drin sind“, betont auch Joachim Heppe vom Anleihesyndikat bei Commerzbank Corporates and Markets in Frankfurt.

Eine Anleihe lohnt sich nach Einschätzung von Experten aber nur für den gehobenen Mittelstand, schon allein wegen des Volumens. „Eine Anleihe ist erst ab 100 Mill. Euro sinnvoll, es gibt sogar Fonds, die erst ab einem Volumen von 250 Mill. Euro investieren“, sagt Heppe. Eine Bonitätsnote von S&P, Moody’s oder Fitch sei für die Platzierung hilfreich: „Bei Anleihen ohne Rating sind Banken meist die größte Investorengruppe.“ Dabei haben nur wenige Mittelständler mit einem Umsatz von bis zu 1,5 Mrd. Euro ein Rating. Bei S&P sind es gerade mal 18 Firmen, bei Fitch nur drei. Alle diese Firmen haben Ratings im Non-Investment-Grade für eher schwache Schuldner. „Die Unternehmensgröße hängt nicht unmittelbar mit dem Rating zusammen, allerdings sind Mittelständler oft nur auf ein Geschäftsfeld konzentriert und haben keine starke Wettbewerbsposition“, erklärt Bissinger von S&P.

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