Internationale Übernahmen
Finanzinvestoren mögen starke Mittelständler

Die Globalisierung geht auch an Mittelstandsunternehmen nicht vorbei: Es gibt zunehmend grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen. Gerade Zulieferer müssen so mit großen Unternehmen Schritt halten. Die neue Stärke des Mittelstands wiederum zieht gern gesehene Gäste an: Investoren.

FRANKFURT. Deutsche Unternehmen zieht es ins Ausland. Durch Fusionen und Übernahmen wollen die Firmen verstärkt ihre Marktstellung ausbauen. „Gerade im Mittelstand zwinge der Trend zur Internationalisierung von Produktion und Absatz viele deutsche Unternehmen, grenzüberschreitende Expansionspläne zu schmieden und umzusetzen“, sagt Hans Bethge, geschäftsführender Partner bei der Investmentbank-Boutique Angermann M & A International.

Aus Sicht des auf den Mittelstand spezialisierten Beraters durchlaufen Branchen wie der Automobilbereich und die Pharmaindustrie, aber auch der Maschinenbau und die Nahrungsmittelindustrie derzeit einen Konzentrationsprozess. Damit müssten die Zulieferer Schritt halten, wenn sie große Auftraggeber nicht verlieren wollen, sagt Kai Lucks, Chef des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions. Es bestehe deshalb ein enormer Druck zur Internationalisierung und Entwicklung zum globalen Lieferanten. „Die derzeit gute konjunkturelle Lage in Deutschland und die damit verbundene bessere finanzielle Ausstattung des deutschen Mittelstandes forcierten diesen Trend zusätzlich“, ergänzt Bethge.

Neben den strategischen Motiven geben die günstigen Finanzierungsbedingungen dem Markt zusätzlichen Schwung. Dies hat eine Studie zum M&A-Geschäft im Mittelstand von Intralinks ergeben.

Von der Aufbruchstimmung bei den kleineren bis mittleren Unternehmen profitieren aus der Sicht Bethges vorrangig fünf Regionen: Länder der Europäischen Union (EU) mit Schwerpunkt in den osteuropäischen Beitrittsländern, vor allem Polen. Außerdem zählt Bethge China/Fernost sowie Nordamerika, Indien, Russland und andere osteuropäische Länder außerhalb der EU auf. Gegenüber den Vorjahren würden aber die USA als Zielland weiter an Gewicht verlieren, prognostiziert er. Experte Lucks sieht hingegen vorrangig Zukäufe in Frankreich, Großbritannien und Italien vorher, um dem starken Wettbewerbsdruck im Heimatmarkt auszuweichen.

Nach wie vor seien bei der Auswahl von Ländern und Unternehmen günstigere Produktionsbedingungen von entscheidender Bedeutung; zunehmend werde aber die Aussicht auf neue Märkte und Technologien wichtiger. Lucks sieht vor allem Wachstumschancen durch Technologiesprünge, wie dies etwa in der Medizintechnik der Fall sei. Dadurch erreichten die Zulieferer eine stärkere Marktmacht gegenüber den Abnehmern, bei denen es sich oft um Großkonzerne handele, die starken Preisdruck auf die Lieferanten ausübten. Eine neue Generation von mutigeren Managern stehe nach dem Ertragstal um die Jahrtausendwende heute an der Spitze der Unternehmen und lege einen Schwerpunkt auf die Chancen.

Die neue Stärke des deutschen Mittelstandes lockt auch die Finanzinvestoren. Angesichts hoher Preise bei großen Unternehmen verlagere sich das Interesse auf mittelständische Transaktionen mit einem Volumen von 20 Mill. bis 75 Mill. Euro, meint Bethge. Zudem werde Private Equity im Mittelstand zunehmend als Problemlöser anerkannt, wenn es um Finanzierungen oder Nachfolgeregelungen gehe. Im vergangenen Jahr stieg nach den Berechnungen des Finanzinformationsanbieter Thomson Financial das Volumen von M & A-Abschlüssen mit einem Wert von bis zu 500 Mill. Dollar gegenüber 2005 um rund zwölf Prozent auf 47,33 Mrd. Dollar.

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