Interview mit Hans W. Reich
KfW entwickelt Kreditfabrik

Hans W. Reich, Chef der KfW-Bankengruppe über die schleppende Darlehensvergabe der Banken, die Vorbereitungen zur Gründung einer Kreditfabrik, die Kooperation mit den Banken und die den Spaß, mit dem Mountain-Bike zu fahren.

Frage: Herr Reich, das Handwerk beklagt sich bitter, die Firmen bekämen zu wenig Kredit? Die Banken weisen den Vorwurf von sich. Wer hat Recht?

Reich: Wir wissen, dass die Neigung der Banken in den letzten Jahren nachgelassen hatte, Kredite an den Mittelstand zu vergeben. Der Zugang für die Mittelständler ist tatsächlich deutlich schwieriger geworden. Am meisten leiden die kleinen Unternehmen. Diese haben häufig zu wenig Eigenkapital, und der kleine Kredit ist auch deutlich teurer. Das liegt aber an verständlichen Gründen, denn in erster Linie verursacht die Bearbeitung der Kredite in den Banken hohe Kosten.

Frage: Heißt das, die Banken arbeiten ineffizient?

Reich: Eine kleine Volksbank oder Sparkasse, die beispielsweise nur fünf Förderkredite im Jahr abwickelt, kann das einfach nicht profitabel machen. Selbst wenn sie 100 Kredite alleine macht, bringt das immer noch keinen nennenswerten Gewinn. Wenn schon die Konsolidierung im deutschen Bankwesen bei den Instituten nicht wirklich vorankommt - und säulenübergreifend über die Volksbanken, Sparkassen und privaten Banken schon gar nicht - dann müssen wir jetzt wenigstens auf der Produktseite zusammen kommen. Sonst fallen wir im internationalen Vergleich hoffnungslos zurück. Und ganz nebenbei bleibt auch noch der kleine Mittelständler auf der Strecke. Das kann nicht sein, das dürfen wir nicht zulassen.

Frage: Sie denken wieder an die Schaffung einer Kreditfabrik. Ist der Zeitpunkt gekommen, das Projekt mit Nachdruck anzugehen?

Reich: Das Wort Kreditfabrik ist als Schlagwort in aller Munde. Was sich dahinter verbirgt - und worum es mir geht - ist die Standardisierung von Krediten und deren Prozesse und die damit verbundene Kostensenkung. Das anzugehen ist in der Tat überfällig. Wir wollen den kleinen Mittelstand wieder in die Lage versetzen, Kredite zu bekommen. Seine Probleme werden doch immer schlimmer. Wir können also nicht mehr lange warten. Es geht mir allerdings nicht darum, dass die KfW dies macht, oder dass die KfW eine solche Kreditfabrik gründet. Es geht um die Lösung des Problems. Wir sind dabei zu allen erdenklichen Kooperationen mit den verschiedenen Bereichen der Kreditwirtschaft bereit. Das kann ein Gemeinschaftsunternehmen sein oder eine andere Art von Zusammenarbeit. Das kann vielleicht mittelfristig auch ganz ohne die KfW stattfinden. Aber lassen sie uns erst über die Struktur sprechen, dann über Details.

Frage: Wie soll denn die Kreditfabrik genau aussehen, die inzwischen mit einem fünfköpfigen Projektteam in der KfW vorangetrieben wird?

Reich: Eine Kreditfabrik ist eine Verarbeitungseinheit, die Kreditanfragen von Banken, Sparkassen oder Volksbanken erfasst, analysiert und dann über Zusage oder Ablehnung entscheidet. Dort werden die Kredite sozusagen „von der Stange“ produziert. Sie soll nicht selbst Kredite vergeben. Das machen die Banken vor Ort, die eine Provision dafür erhalten, dass sie aus einem vorgegebenen Katalog hoch standardisierte Kredite verkaufen. Hinter der Kreditfabrik muss eine Portfoliobank stehen, die die Kredite bündelt und daraus Produkte entwickelt, die wieder an den Kapitalmärkten verkauft werden können. Wer z.B. eine eher regionale oder branchenbezogene - z.B. einseitig im Maschinenbau - Risikokonzentration hat, kann dann durch den Zukauf anderer Risikogruppen - z.B. Energie oder Landwirschaft - eine Verbesserung seines Portfolios durch Differenzierung erwirken. Das ist ein bisher nicht existenter, einzigartiger Kreislauf, von dem am Ende Banken und Mittelständler profitieren können.

Frage: Was bringt das dem Mittelständler?

Reich: Der geschilderte Kreislauf führt dazu, dass das Interesse der Banken, dem Mittelstand Kredit zu gewähren, wieder steigt. Der Kredit wird billiger produziert und die Banken müssen die Risiken nicht mehr in die eigenen Bücher nehmen, sondern kaufen sich später Kreditportfolios ihrer Wahl für ihr eigenes Zinsgeschäft. Im Idealfall geht der Mittelständler dann in die Bank und sucht sich aus einem Katalog den passenden Kredit heraus. Wenn er die Unterlagen für die Bonitätsbeurteilung und die Sicherheiten schon dabei hat, kann es ganz schnell gehen. Dann kommt nach dem Antrag am Vormittag theoretisch die Zusage noch vor Schalterschluss.

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