Investitionen
Wettlauf um Afrika

Es tut sich was in den Staaten Afrikas. Indische und chinesische Unternehmen investieren dort vor allem in Energieprojekte und junge Märkte. Auch das Interesse europäischer Firmen steigt - doch noch schrecken sie vor den großen Unsicherheiten in Politik und Infrastruktur zurück.

KAPSTADT/DÜSSELDORF. Man kann nur schwerlich über Afrika sprechen, ohne entweder als Träumer oder als Zyniker zu erscheinen“, sagt ein Investor, der seit Jahren auf dem Kontinent aktiv ist. 900 Millionen Menschen leben in Afrika, aber nur ein Bruchteil von ihnen hat genug Geld, um als Kunde interessant zu sein. Der Rohstoffreichtum lockt, aber die Infrastruktur fehlt mancherorts komplett. Obwohl der Internationale Währungsfonds (IWF) prophezeit, dass die allermeisten afrikanischen Volkswirtschaften in diesem Jahr um sieben Prozent zulegen, wächst der größte Teil der Wirtschaft im Schatten.

Während das Afrikageschäft vieler westlicher und vieler deutscher Konzerne daher seit Jahren noch nicht mal im Geschäftsbericht einzeln ausgewiesen wird, investieren Inder und Chinesen im großen Stil auf dem Kontinent. Die Gründe: Sie wollen ihren Rohstoffhunger stillen, kennen sich besser mit weniger entwickelten Märkten aus und fragen nicht nach Menschenrechten.

Im einzigen Industrieland des Kontinents aber, in Südafrika, haben die verheerenden Stromausfälle, die Pogrome gegen Zuwanderer und auch das Ende des Börsenbooms für Ernüchterung gesorgt. Plötzlich dämmert der internationalen Geschäftswelt, dass der bislang wichtigste Investitionsstandort Afrikas auf einem wackeligeren Fundament steht als gedacht. Daimler, VW und BMW und fast alle ihre Zulieferer fertigen dort seit Jahren und Jahrzehnten. Acht Dax-Konzerne beschränken ihr Engagement allein auf Südafrika.

Trotzdem, selten waren die Wachstumsraten Afrikas beeindruckender. Hoffnung verleiht vor allem ein Blick auf den übrigen Kontinent – trotz der Wahlfarce in Simbabwe. Gestützt wird die neue Zuversicht von dem jüngsten Bericht der Weltbank. Für sie steht der Schwarze Kontinent vor einer „neuen Ära“. Afrika südlich der Sahara durchlebe gegenwärtig die wirtschaftlich besten Zeiten seit Beginn seiner Unabhängigkeit vor 50 Jahren. Besonders ermutigend: Diesmal expandiert nicht nur der Rohstoffsektor, sondern auch die Nahrungsmittel- und Mobilfunkbranche.

Kenias Mobilfunkbetreiber Safaricom symbolisiert wie kaum ein anderes Unternehmen eine afrikanische Erfolgsgeschichte, Wachstum durch Kommunikation. Mit Zuwachsraten von 65 Prozent pro Jahr wächst der Mobilfunkmarkt seit 1998 in Afrika so schnell wie sonst nur noch in Indien. Seit der Jahrtausendwende hat Safaricom die Zahl seiner Kunden von 20 000 auf mehr als zehn Millionen hochgeschraubt – und ist mit einem Gewinn von 223 Millionen Dollar zum profitabelsten Unternehmen in Ost- und Zentralafrika geworden. Trotz der politischen Krise in Kenia zu Jahresbeginn war der Börsengang von Safaricom im vergangenen Monat, bei dem der Staat 25 Prozent des Unternehmens für rund 800 Millionen Dollar platzierte, ein voller Erfolg.

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