Italiener steigen ein
Der Bieterkampf um Balda geht weiter

Vier Tage vor der Entscheidung über das Angebot des Familienunternehmens Heitkamp & Thumann erhalten die Balda-Aktionäre eine neuen Option. Eine italienische Unternehmensgruppe will mitbieten.

DüsseldorfEs schien nur noch eine Formsache zu sein, der Fahrplan war genau festgelegt: Am kommenden Montag sollten die Aktionäre von Balda einem Angebot in Höhe von 74 Millionen Euro der Unternehmensgruppe Heitkamp & Thumann zustimmen. Doch seit Donnerstag gibt es ein neues Angebot, das deutlich über dem des Düsseldorfers Familienunternehmen liegt: Die italienische Unternehmensgruppe Stevanato habe ein bislang noch unverbindliches Angebot über 80 Millionen Euro vorgelegt, teilte Balda per Adhoc-Mitteilung mit.

Dabei sind Übernahmekämpfe im deutschen Mittelstand selten. Allerdings ist Balda mit Sitz in Bad Oeynhausen ein Unternehmen, dass schon häufiger für Schlagzeilen gesorgt hat. Bekannt wurde das Unternehmen durch die Produktion von Handyschalen für das iPhone. Zuletzt setzte Balda rund 85 Millionen Euro um, allerdings mit der Herstellung von Brillen und medizintechnischem Verbrauchsmaterial, das vor allem für die Diagnostik zum Beispiel für Blut- und Urinproben eingesetzt wird. Im Frühherbst hatte das Familienunternehmen Heitkamp & Thumann (H&T) Interesse an den operativen Einheiten des börsennotierten Unternehmens bekundet und bereits eine Due Dilligence durchgeführt.

Zu Heitkamp und Thumann gehören insgesamt 20 Tochterfirmen in den vier Geschäftsbereichen Batteriehülsen, Komponenten für die Autoindustrie und die Werkzeugindustrie und der vierte Bereich Presspart stellt Metall- und Kunststoffkomponenten für die Pharmaindustrie her, In dieses Segment sollten die operativen Balda-Töchter integriert werden. Doch Ende September kam das Angebot des Finanzinvestors Paragon dazwischen. Die Beteiligungsgesellschaft bot für die selben Unternehmensteile wie das Familienunternehmen: Die Balda Medical GmbH & Co. KG in Bad Oeynhausen, sowie für die Balda C. Brewer Inc. und die Balda Precision Inc., die beide in Kalifornien beheimatet sind, sowie eine Medizintechniktochter in Rumänien. Zuletzt arbeiteten bei der Balda Medical in Bad Oeynhausen 210 Mitarbeiter bei den beiden US-Gesellschaften 565 Mitarbeiter.

H&T besserte das Angebot für Balda auf dann 74 Millionen Euro nach. Bis zum Donnerstag schien es auch so, dass am kommenden Montag auf der Hauptversammlung über das Angebot entschieden werden sollte. Tatsächlich soll sich daran auch nichts ändern, allerdings räumt Balda laut Adhoc-Mitteilung von Donnerstag der italienischen Unternehmensgruppe ein, bis zum 14.Dezember ein verbindliches Angebot abzugeben.

Das italienische Familienunternehmen Stevanato ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für die Herstellung von Insulinbehältern und Medikamenten-Verpackungen: Zu dem Gebot für Balda sagte ein Stevenato-Firmensprecher: "Es passt perfekt zur Strategie der Stevanato Group." Sie wolle das eigene Produkt-Portfolio erweitern, um integrierte Systeme für die Verabreichung von Medikamenten zu erstellen. "Wir wollen an die Spitze bei der Wertschöpfung kommen."   

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„Verwirrend bis unprofessionell“

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