Kampf um Fachkräfte
Unternehmen können mit der Betriebsrente punkten

Um qualifizierten Nachwuchs zu locken, setzen einige Firmen vermehrt auf die Betriebsrente. So werden sie, neben den großen Konzernen, attraktiver für Fachkräfte. Doch noch haben viele Angst vor dem finanziellen Risiko.
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KölnDie Konkurrenz sitzt direkt vor der Haustür: Im Kampf um die besten Köpfe steht das Calwer Familienunternehmen Seuffer in direktem Wettbewerb mit Konzernen wie Daimler und Bosch, deren Hauptsitz nur wenige Kilometer entfernt liegt. Um bei Fachkräften zu punkten, belohnt der Technologiezulieferer aus Baden-Württemberg langjährige Mitarbeiter mit Treueprämien. Seit dem vergangenen Jahr verknüpft er diese mit einer betrieblichen Altersvorsorge (BAV). „Wir können uns kein großes Fitnessstudio oder anderen Luxus leisten“, sagt Personalchefin Sabine Rentschler. „Dafür übernehmen wir soziale Verantwortung für unsere Mitarbeiter.“

Für jeden, der einen Vorsorgevertrag abschließt, zahlt Seuffer monatlich 30 Euro beim Versorgungswerk Metallrente dazu. Wer mehr als zehn Jahre im Betrieb ist, bekommt 50 Euro, nach 25 Jahren gibt es 70 Euro. Wegen der Steuerersparnis für die Beiträge kostet das neue BAV-Konzept das Unternehmen nicht mehr als zuvor. 60 Prozent der Belegschaft haben bereits einen Vorsorgevertrag abgeschlossen.

Die betriebliche Altersvorsorge steht vor einer Renaissance, prophezeien Experten. „Gerade in Hinblick auf den Fachkräftemangel wird sie Auftrieb bekommen“, sagt Florian Swyter, BAV-Referent bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Anders als früher, als sich Arbeitnehmer noch wenig um ihre Altersvorsorge kümmerten, könnten Unternehmen heute mit der Betriebsrente punkten, sagt Frank Neuroth, Vorstandsmitglied der Ergo Lebensversicherung. „Gerade für Mittelständler, die sich neben großen Unternehmen oft nur schwer als attraktive Arbeitgeber präsentieren können, ist das wichtig.“

Rückstellungen belasten die Bilanz

Bislang hinkt der Mittelstand bei der betrieblichen Altersvorsorge noch hinterher. Eine Ergo-Umfrage unter mehr als 3000 Betrieben mit bis zu 500 Beschäftigten hat ergeben, dass nur 37 Prozent eine BAV anbieten. Dabei hat jeder Arbeitnehmer seit 2002 einen Anspruch darauf, dass ein Teil seines Gehalts in die betriebliche Altersvorsorge fließt. Für diesen Anteil zahlt er weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge. Trotzdem fragen die meisten Arbeitnehmer von sich aus nicht danach – und ihre Arbeitgeber halten lieber die Füße still: „Eine Firma hat wenig Interesse daran, von sich aus etwas anzubieten, das Aufwand und Risiko bedeutet – und das sie vielleicht gar nicht in Gänze versteht“, sagt Norbert Steinle, BAV-Experte beim Unternehmensberater Rödl & Partner.

Denn das Thema ist komplex. Die Pensionszusagen aus der Vergangenheit machen vielen Mittelständlern bis heute zu schaffen. Ihre Rückstellungen haben die Firmen lange mit unrealistischen Zinsen berechnet. Auch mögliche Gehalts- und Rentenerhöhungen haben sie ignoriert. Doch damit ist seit kurzem Schluss: Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz müssen die Firmen die Rückstellungen neu berechnen und auch die höhere Lebenserwartung berücksichtigen. Damit steigen die Rückstellungen häufig um 25 bis 40 Prozent, schätzt Jürgen Helfen, Leiter General Consulting bei der Unternehmensberatung Towers Watson in Frankfurt. „Ein Verlust in der Bilanz, mit dem die Firmen erst mal klarkommen müssen.“

Verpflichtungen unterschätzt

Markus Arnold, Vorstand des Allianz Pensionsfonds, schätzt, dass mehr als 80 Prozent der Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern Pensionsrückstellungen in ihrer Bilanz haben. Vor allem Mittelständler haben ihre Verpflichtungen dabei oft unterschätzt: „Je kleiner das Unternehmen, desto geringer der Rückstellungsgrad“, sagt Arnold. Jetzt wächst die Angst, dass die Pensionszahlungen sie womöglich überfordern. Wer seine Verpflichtungen loswerden und an eine Versicherung oder einen Pensionsfonds auslagern möchte, zahlt meist einen hohen Preis dafür. Es gilt: Je weniger Risiko das Unternehmen dabei selbst behält, desto mehr Geld muss es in eine solche Lösung stecken. „Trotzdem zieht die Nachfrage nach Auslagerung der Rückstellungen seit einem halben Jahr deutlich an“, sagt Arnold.

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