Konsolidierung der Industrie könnte die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland halbieren
Mittelstand blickt mit Sorge auf europäischen Rüstungsgiganten

Die mittelständische wehrtechnische Industrie in Deutschland rechnet mit einem zunehmenden Wettbewerbsdruck im Zuge der Konsolidierung der Branche in Europa. „Der Abbau von Kapazitäten ist unausweichlich“, sagt Hans-Jürgen Niemeier, Aufsichtsratschef des IT-Unternehmens Conet AG und Mittelstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT).

HB BERLIN/DÜSSELDORF.Zur Zeit arbeiten noch rund 80 000 Beschäftigte in der zum großen Teil mittelständischen deutschen Rüstungsindustrie, Niemeier schätzt, dass rund die Hälfte der Arbeitsplätze wegfallen könnte, wenn sich der Sektor in Europa weiter konsolidiert. „Es zeichnet sich auf der politischen Ebene ab, dass wir in der Zukunft nur noch ein oder zwei große übergreifende Systemhäuser für die Bereiche Heer, Luftwaffe und Marine in Europa haben, die dann fast wie monopolistische Auftraggeber agieren werden“, sagt Niemeier.

Unlängst hatte sich der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Ditmar Staffelt dafür ausgesprochen, dass der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS sein Waffengeschäft ausbauen und möglicherweise auch in neue Bereiche expandieren sollte: „Unser Ziel ist ein europäischer Rüstungskonzern, der nicht nur im Flugzeug- sondern auch im Militär-Bereich aktiv mit den USA Schritt halten kann“, sagte Staffelt. In Regierungskreisen kursiert derzeit ein Modell, demzufolge EADS als eine große Holding weitgehend die europäische Rüstungsindustrie zusammenfassen könnte – und damit auch den französischen Thales-Konzern.

Die deutschen Mittelständler sehen darin ein großes Risiko: Solche industriellen Schwergewichte hätten dann nicht nur mehr Verhandlungsmacht gegenüber den einzelnen Regierungen, sie könnten den Kostendruck verstärkt an die Zulieferer weitergeben. Heute sorgt in Deutschland das Vergaberecht noch dafür, dass beispielsweise Entwicklungskosten für ein neues Waffensystem auch direkt an die Unterauftragnehmer erstattet werden.

Die haben einen bedeutenden Anteil an der Rüstungsproduktion: Im Schnitt sind rund 70 Prozent der Firmen bei der direkten Vergabe von Aufträgen des Verteidigungsministeriums Mittelständler. Schätzungen der DWT zufolge geht mit rund einer Milliarde Euro ein Drittel des jährlichen Auftragsvolumens an kleinere und mittlere Unternehmen.

Unter ihnen herrscht, anders als bei den Systemhäusern wie EADS, BAE Systems oder Thales, die sich in Europa oft noch auf eine bevorzugte Stellung bei den Regierungen verlassen können, heute schon ein scharfer internationaler Wettbewerb: Bei Aufträgen wie dem Militärairbus A 400 M treten die deutschen Zulieferer nicht nur gegen Firmen aus Europa an.

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