Kreditklemme
Wenn die Hausbank Mittelständlern nicht hilft

Etliche Mittelständler klagen über fehlende Kredite durch ihre Hausbank. Seit die Krise wütet, scheuen die Banken das Risiko und geben nur selten Kapital für nötige Investitionen, sagen die Unternehmer. Die Banken bestreiten die Vorwürfe: Das Kreditvolumen sei ausreichend.

Wenn es nach Commerzbank-Chef Martin Blessing geht, gibt es keine Kreditklemme. "Wir stehen dem deutschen Mittelstand weiterhin mit Krediten voll zur Seite", ließ sich der Top-Banker bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen zitieren. Jürgen Meestermann* wundert das. Der Geschäftsführer eines Mittelständlers aus Nordrhein-Westfalen hat zuletzt wochenlang um einen Kredit gekämpft. Vergeblich - trotz vermeintlich guter Beziehungen zur Commerzbank.

Dabei kann Meestermann nach eigenen Angaben etwas vorweisen, was derzeit nur wenige Firmen können: Wachstum. Sein Unternehmen ist profitabel, stellt Reinigungsmittel her und hat sogar den Staat als Kunden. 2002 finanzierte die Commerzbank Meestermann eine fünf Mio. Euro schwere Übernahme. Die sind heute abbezahlt. "Da gab es nichts, was zu bemängeln wäre, das ging für beide Seiten ohne Probleme", so Meestermann.

Als er vor kurzem dann das Angebot bekam, einen Konkurrenten zu übernehmen, zögerte er nicht lange. Auch bei der Commerzbank schien man zunächst durchaus begeistert, die zwölf Mio. Euro für den Kauf zu stemmen. Die Transaktion mache Sinn, urteilte der zuständige Betreuer. Dann aber kam er über Wochen mit immer schlechteren Konditionen, dem Verweis auf Stress-Tests und höheren Eigenkapitalforderungen. "Die haben sich so was von schwer getan, dass ich irgendwann gesagt habe, lassen wir?s einfach", sagt Meestermann.

Die Commerzbank sieht das grundsätzlich anders, will sich naturgemäß aber zum konkreten Fall nicht äußern. Im ersten Halbjahr 2009 habe alleine die Mittelstandsbank knapp drei Mrd. Euro an frischen Finanzierungen ausgereicht. Und mit 134 Mrd. Euro befinde sich das an deutsche Firmen ausgereichte Kreditvolumen auf Rekordniveau, heißt es in Frankfurt.

Meestermann überzeugt das nicht. Deshalb hat er kurzerhand auch dem Management der Commerzbank geschrieben - was er aber nicht "als Bettelbrief" verstanden wissen will. "Momentan arbeiten wir, mit Freude, mit anderen Banken zusammen", heißt es darin. Die kommen aus dem öffentlich-rechtlichen Lager und heißen WestLB und BW-Bank.

* Name von der Redaktion geändert

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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