Kreditvergabe wird restriktiver
Finanzkrise belastet Indien-Geschäft

Die von der US-Immobilienkrise ausgelösten Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten sind auch an Indien nicht spurlos vorübergegangen. Die einheimischen Banken sind jedoch weit weniger betroffen als die Kreditinstitute in den USA und Europa. Bislang musste keines der indischen Geldhäuser Abschreibungen auf Subprime-Verluste vornehmen. Für die Unternehmen könnte allerdings die Finanzierung ihrer Expansionsvorhaben schwieriger werden.

NEU DELHI. Die Auswirkungen der US-Immobilienkrise sind auch auf dem Subkontinent spürbar. Allerdings sind die Folgen nicht so gravierend wie in den USA und Europa und haben auch nicht zu einer Schieflage bei den einheimischen Kreditinstituten geführt. Die Verluste an den indischen Aktienmärkten halten sich in Grenzen und werden von den Analysten als notwendige Preiskorrekturen eingestuft. Sie sind vor allem auf den Rückzug ausländischer institutioneller Investoren aus dem Markt zurückzuführen, die ihre Liquidität erhöhen oder das Risiko ihres Wertpapierportfolios verringern müssen.

Der führende indische Aktienindex Sensex, der die 30 größten an der Bombay Stock Exchange (BSE) gehandelten Unternehmen abdeckt, verlor im Zuge der Subprime-Krise zwar innerhalb von zwei Monaten rund 6.000 Zähler auf seinen historischen Höchststand von fast 21.000 Punkten zu Beginn des Jahres 2008. Inzwischen hat sich die Börse allerdings wieder erholt und konnte sich zuletzt um die Marke von 17.000 Punkten stabilisieren. Die indische Börsenaufsicht schließt jedoch nicht aus, dass bei einer Verschärfung der Krise weitere Kursrückgänge möglich sind.

Obgleich Indien von den direkten Folgen der internationalen Finanzkrise bislang weitgehend verschont blieb, bereiten die indirekten Auswirkungen der Regierung zunehmend Sorgen. Denn die indischen Banken haben laut International Finance Corporation (IFC) in den letzten zwölf Monaten ihre Liquidität drastisch erhöht, um gegen eine weitere Verschärfung der Krise gewappnet zu sein.

Im Zuge dessen haben sie ihre Kreditvergabe weiter eingeschränkt, wodurch die Refinanzierungskosten der Unternehmen kontinuierlich gestiegen sind. Dies betrifft insbesondere die mittelständischen aber auch zunehmend die indischen Großunternehmen. Auch die Möglichkeiten einer Projektfinanzierung mit Hilfe ausländischen Kapitals wurden von der Zentralbank stark begrenzt.

Dies ist umso bedeutender, da die Konjunktur derzeit vor allem von den Erweiterungsinvestitionen der Privatwirtschaft vorangetrieben wird. Die Investitionstätigkeit der indischen Unternehmen befand sich zuletzt auf hohem Niveau. Für das Finanzjahr 2007/08 (1.4. bis 31.3.) rechnet das Centre for Monitoring Indian Economy (CMIE) mit einem Anstieg um 16%. Allein im 4. Quartal 2007/08 verzeichnete CMIE Neuinvestitionen mit einem Volumen von rund 85 Mrd. Euro.

Wie stark die Auswirkungen einer restriktiveren Kreditvergabe auf die Investitionstätigkeit der indischen Unternehmen sein werden, bleibt abzuwarten. Derzeit gehen die Analysten davon aus, dass vor allem mittelständische Unternehmen mit niedriger Bonität ihre Investitionsvorhaben erst einmal auf Eis legen dürften, da die Finanzierungskosten für sie zu hoch sind.

Inwiefern deutsche Lieferanten von Investitionsgütern hiervon betroffen sein werden, ist bislang nicht abzuschätzen. Deutschland verzeichnete 2007 einen moderaten Zuwachs bei den Exporten nach Indien. Laut Statistischem Bundesamt setzten die Unternehmen Waren im Wert von 7,4 Mrd. Euro auf dem Subkontinent ab, ein Plus von 16%. Im Vorjahr konnten deutsche Exporteure ihre Lieferungen noch um 50% steigern.

Angesichts des hohen Investitionsbedarfs in der verarbeitenden Industrie, die in den nächsten Jahren ihre Produktionskapazitäten an die steigende Nachfrage nach indischen Produkten im In- und Ausland anpassen muss, dürfte dies jedoch nur eine vorübergehende Phase sein. Dass vor allem die indischen Großkonzerne liquide genug sind, um eine Zeit lang auch ohne fremdes Kapital ihre Expansionspläne zu finanzieren, stellte der Automobilkonzern Tata Motors im März 2008 eindrucksvoll unter Beweis. Das Unternehmen kaufte Ford Motors die beiden Marken Land Rover und Jaguar für 2,3 Mrd. US-Dollar ab - und bezahlte in bar.

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