Leasing
Fuhrparks sind billig zu haben

Die Autohersteller bleiben auf ihren Fahrzeugen sitzen und müssen Flugzeughallen für die Lagerung anmieten. Derzeit sollten mittelständische Unternehmen Fahrzeuge leasen statt kaufen. Denn die Vermarktungsrisiken für Gebrauchte sind unkalkulierbar geworden.

WERTHER. Die Refinanzierung für Leasinggesellschaften wird teurer - aber die Firmen müssen bei ihren Flotten sparen. Rabatte verstärken die Krise. Um aus dem Teufelskreis herauszukommen, müssten alle Leasinganbieter die Preise erhöhen.

Trotz dieser Entwicklung sind mittelständische Unternehmen derzeit gut beraten, Fuhrparks zu leasen anstatt zu kaufen. Denn die Vermarktungsrisiken für Gebrauchte sind unkalkulierbar geworden, und bestimmte Fahrzeuge lassen sich - wenn überhaupt - nur noch zu Dumping-Preisen absetzen. Ursache dafür sind die Überkapazitäten im Markt durch die Preisnachlässe der vergangenen Jahre. Die Finanzmarktkrise verstärkt den Abwärtstrend noch - denn Preisnachlässe sind in Krisenzeiten gefragter denn je.

Für das Leasing hat das fatale Folgen. Es gibt eine Kennzahl, die darüber entscheidet, ob das Geschäft ein gutes war oder nicht: der kalkulierte Restwert. Der Restwert ist der Preis, mit dem eine Mobilien-Leasinggesellschaft für den Wiederverkauf eines Automodells nach Ablauf der Leasinglaufzeit rechnet. Doch durch die Rabatte der Autohersteller in den vergangenen Monaten ist das Überangebot so groß, dass nach Insiderinformationen bereits Flugzeughallen angemietet werden müssen, um die Fahrzeuge zu lagern. "Der Abwärtstrend setzt sich fort, da die Lager der Hersteller mit sechs bis zwölf Monate alten Fahrzeugen voll stehen. Ein Gebrauchtwagenkäufer handelt kaum wirtschaftlich, wenn er ein drei Jahre altes Fahrzeug mit einem Restwert von 40 Prozent auf den ehemaligen Listenpreis kauft, obwohl er ein sechs Monate junges Fahrzeug bereits mit bis zu 40 Prozent Nachlass erwerben kann", bestätigt Ryjan Rutgers, Geschäftsführer von Athlon Car Lease Germany. Sein Unternehmen reagiert mit einer erneuten Absenkung der prognostizierten Restwerte: "Als mittelständisches Unternehmen können wir keine unkalkulierten Risiken in der Bilanz aufbauen", so Rutgers.

Die großen Autohersteller, die die Fahrzeuge zu Dumping-Preisen in den Markt gedrückt haben, können dies hingegen schon: Viele deutsche Premium-Hersteller haben in den USA noch rabattierte Leasingverträge in den Büchern, die sich erst bei der Erzielung hoher Restwerte amortisieren. Angesichts der Absatzprobleme auf dem Gebrauchtwagenmarkt dürften die erhofften Gewinne kaum noch zu erzielen sein, sodass viele Händler Abschreibungen vornehmen müssen. Allein in den USA wird der Restwertverfall nach einer Berechnung von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bei den deutschen Automobilherstellern zu einem Abschreibungsbedarf von rund 1,5 Mrd. US-Dollar führen. Bei BMW bemüht sich das Management um Schadensbegrenzung und hat für drohende Verluste bereits 700 Mio. Euro zurückgestellt. Zu Restwertabsenkungen wollte sich bei der BMW Alphabet-Leasinggesellschaft aber niemand äußern.

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