Liquidität
Produktion verbessern, Kapital befreien

In der Rezession wird es für viele Unternehmen finanziell eng. Höchste Zeit, dass sie ihre Liquiditätsreserven heben. Doch gerade kleine und mittlere Betriebe tun sich damit schwer. Dabei kann mit einfachen Kniffen viel Kapital, das in der Produktion gebunden ist, flüssig gemacht werden.

DÜSSELDORF. Hans-Martin Oberhaizinger leert sein Lager. Raus mit den Span- und Dekorplatten, aus denen der gleichnamige Schreinereibetrieb aus dem oberbayrischen Marktl Einrichtungen für Bankfilialen und Autohäuser zimmert. Den Großteil des Rohmaterials lagert die Oberhaizinger GmbH bei den Lieferanten ein - und lässt es just in time erst zur Produktion wieder ankarren.

Für die Lagervorräte benötigt der 45 Mitarbeiter zählende Betrieb inzwischen nur noch weniger als die Hälfte der vorher 300 Quadratmeter Lagerfläche. Den freigewordenen Platz nutzt Oberhaizinger für die Produktion. „Wir bezahlen nur das Rohmaterial, das wir auch verbrauchen“, sagt der Chef. Durch die Auslagerung hat Oberhaizinger weniger Kapital im Betrieb gebunden - und entsprechend mehr Geld flüssig.

Gerade jetzt, wo Banken mit Krediten geizen und die Zahlungsausfälle zunehmen, ist es höchste Zeit, solche Liquiditätsreserven zu heben. Denn im Umlaufvermögen - also dem beweglichen Kapital eines Unternehmens - verstecken sich wahre Reichtümer: Lagervorräte können reduziert und Fertigprodukte schneller ausgeliefert werden. Forderungen lassen sich konsequenter und zügiger durchsetzen.

Auf der anderen Seite können Unternehmen versuchen, ihre Verbindlichkeiten zu strecken. Je mehr Umlaufvermögen nicht zur Deckung kurzfristiger Verbindlichkeiten benötigt wird, umso besser für das Unternehmen. Je weniger sogenanntes Working Capital im Betrieb gebunden ist, umso besser für die Liquidität.

Bisher tun sich aber gerade kleine und mittlere Unternehmen schwer, effizient mit ihrem Umlaufvermögen zu wirtschaften. Dagegen haben Konzerne oft schon vor Jahren begonnen, ihr Working Capital Management zu verbessern. Doch selbst bei den umsatzstärksten Unternehmen sind im Durchschnitt noch rund 18 Prozent des Umlaufvermögens „unnötig gebunden“, ergab eine Studie von Ernst & Young. „Im Mittelstand wird die Quote deutlich höher liegen“, schätzt Peter Englisch, für den Mittelstand verantwortlicher Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.

Bei den deutschen Maschinenbauern etwa ist das Umlaufvermögen mit 80 Tagen sehr lange gebunden, ergab eine Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG unter 128 Betrieben. „56,6 Prozent der Unternehmen sind mit ihrem Working Capital Management nicht zufrieden“, berichtet Studienautor Oliver Döring.

Seite 1:

Produktion verbessern, Kapital befreien

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%