Management im Mittelstand
Wenn Chefs ihr Unternehmen kaufen

In mehr als 70 000 Familienunternehmen steht jedes Jahr die Regelung der Nachfolge an. Das sind gute Nachrichten für alle, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen und nicht bei Null anfangen wollen. Denn ein Firmenkauf ist oft sinnvoller ist als eine Neugründung.

KÖLN. Einfach war sie nicht, die Unternehmensübernahme im Krisenjahr 2008. Aber bereut hat Harri Junge den Schritt in die Selbständigkeit nie. Der 54-jährige Ingenieur ist seit dem vergangenen Jahr gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin stolzer Besitzer der Kröger Juntec Technologies GmbH. Das mittelständische Handelsunternehmen, das Schwenkantriebe und Industriearmaturen vertreibt, hat seinen Sitz im hessischen Schöneck.

Junge kennt sich aus im Geschäft seines neuen Unternehmens: 17 Jahre lang leitete er für ein französisches Unternehmen den Vertrieb von Ölpumpen im deutschsprachigen Markt - und verdiente dabei sehr gut. Doch er wusste auch: In einigen Jahren würde sich der Vertrieb ohne weiteres auch aus dem Ausland abwickeln lassen. "Mit Mitte 50 wäre ich dann für den Arbeitsmarkt uninteressant gewesen - also begann ich frühzeitig, mich nach Alternativen umzusehen", erinnert sich der frischgebackene Unternehmer.

Über die Industrie- und Handelskammer wurde Junge auf die Unternehmensbörse Nexxt aufmerksam, bei der mittelständische Unternehmer Nachfolger suchen. Die Entscheidung für eine Unternehmensübernahme fiel dann schnell. "Ein eigenes Unternehmen neu zu gründen, dazu bin ich nicht mehr jung und idealistisch genug", gibt der Ingenieur nüchtern zu. "Ich wollte meinen Lebensstandard auf jeden Fall halten können, und das Risiko sollte auch in der Startphase überschaubar sein."

Gründer, die wie Harri Junge nicht bei Null anfangen wollen, sondern einen Unternehmenskauf in Betracht ziehen, haben auf den ersten Blick die Qual der Wahl. In mehr als 70 000 Familienunternehmen steht jedes Jahr die Regelung der Nachfolge an, rechnet das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn vor. "Auf dem Markt sind sogar etwa doppelt so viele Unternehmen", meint Bernd Rüegg. "Und immer mehr Firmen werden außerhalb der Familien vergeben." Der Unternehmensberater hat sich auf Nachfolge und Verkauf mittelständischer Unternehmen spezialisiert. Täglich fragen bei ihm bis zu zehn Existenzgründer nach passenden Unternehmen, die zum Verkauf stehen.

Die Vorteile für die Käufer liegen auf der Hand. "Die Gründer kaufen eine Sicherheitsplattform für ihren Schritt in die Selbstständigkeit: Sie können auf einen festen Kundenstamm, eine eingeführte Marke und eingespielte Teams zurückgreifen", sagt Berater Rüegg. "Das Risiko wird dadurch kalkulierbar - und die Käufer können ihre Ideen schneller verwirklichen als bei einer Neugründung."

Für Harri Junge ideale Voraussetzungen. Er brachte einen seiner früheren Geschäftsbereiche gleich als neue Produktlinie in die bestehenden Unternehmens-Strukturen ein, und baut jetzt einen neuen Außendienst auf. "Die Gestaltungsmöglichkeiten sind auch bei einem bestehenden Unternehmen groß", zeigt sich Junge begeistert.

Doch die komfortable Ausgangsposition gibt es nicht umsonst. Als externer Nachfolger kommt nur in Frage, wer genug Eigenkapital beisteuern kann, um die notwendigen Kredite zu stemmen. Fast 90 Prozent der Interessenten muss Nachfolge-Berater Rüegg deshalb gleich bei der ersten Anfrage den Wind aus den Segeln nehmen.

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