Mannlose Fertigung
Automaten fahren eine Geisterschicht

So geht es derzeit vielen mittelständischen Fertigungsbetrieben: Die Personaldecke ist zu dünn, um eine zweite oder dritte Schicht zu fahren. Die Lösung: Roboter, die eine doppelt bis dreifach höhere Leistung als Handarbeit erzielen – und das ohne Aufsicht.

BREMEN. Seit vergangenem Sommer haben die 50 Mitarbeiter des Familienunternehmens Schmidt Profile in Lichtenau-Atteln einen neuen Kollegen: Beim Zulieferer für die Möbelindustrie schleift jetzt ein Roboter Massivholz, aus dem anschließend Türen, Schrankwände und Regale gefertigt werden. „Das Robotersystem arbeitet bis zu zehn Stunden ohne Aufsicht“, sagt Geschäftsführer Robert Schmidt. „Wir können es vor Feierabend bestücken. Und am nächsten Morgen liegen die fertigen Teile zum Lackieren bereit.“

Der Roboter erzielt eine doppelt bis dreifach höhere Leistung als Handarbeit. „Und die Mitarbeiter sind froh, dass sie die anstrengende und eintönige Arbeit nicht mehr machen müssen“, sagt Schmidt. Mit der Investition in das Robotersystem hat er auch auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck reagiert, vor allem durch Konkurrenz aus Osteuropa. „Langfristig müssen wir auf mehr Automatisierung im Produktionsprozess setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Schmidt.

So geht es derzeit vielen mittelständischen Fertigungsbetrieben: Die Personaldecke ist zu dünn, um eine zweite oder dritte Schicht zu fahren. Die Lösung, mit der Automationsanbieter ihre Kunden umgarnen, nennt sich „mannlose Fertigung“: Handhabungsroboter bedienen die eigentlichen Fertigungsmaschinen zeitweise allein. Sie legen Rohmaterial in die Maschinen, schleifen, fräsen und lasern. Und stapeln die fertigen Werkstücke schließlich bis zum Beginn der nächsten Schicht.

„Robotik und Automation halten verstärkt Einzug im Mittelstand“, bestätigt Martin Hägele, Abteilungsleiter für Robotersysteme am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart. „Wir schätzen, dass erst 15 Prozent der mittelfristig möglichen Projekte bisher realisiert sind.“

Die vollautomatische Fertigung sei aber erst ab einer Stückzahl von Hundert aufwärts wirtschaftlich, schätzt der IPA-Experte. „Viele Unternehmer zögern mit der Umstellung, weil die Technik ihnen noch zu teuer ist oder das nötige Fachpersonal fehlt.“ Der grundsätzliche Bedarf an Automatisierung in der Fertigung sei aber erkannt.

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