Mezzanine-Kapital
Wie sich die Fehler der Banken nun rächen

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Offensichtlich ist das Problem noch nicht bei allen Unternehmen angekommen, die sich mit Standard-Mezzanine-Programmen Kapital besorgt haben. So kommt das Bankhaus Hauck & Aufhäuser in einer Studie zu der „besorgniserregenden“ Erkenntnis, das jedes vierte betroffene Unternehmen die Refinanzierung noch nicht geplant hat. Dabei sollte die geringe Restlaufzeit der Programme alarmierend sein. Es bestehe akuter Handlungs- und Entscheidungsbedarf. Bei der Studie befragte Hauck & Aufhäuser 380 Unternehmen, die an entsprechenden Programmen beteiligt waren. 27 Unternehmen beteiligten sich.

Das Problem vieler Firmen mit der Anschlussfinanzierung

Die Umfrage belegt außerdem, dass nur 22 Prozent der teilnehmenden Firmen in der Lage seien, das Mezzanine aus dem laufenden Cashflow oder liquiden Rücklagen zurückzuzahlen. Auf die Frage, nach möglichen Wegen für eine Refinanzierung dominiert das klassische Fremdkapital. An zweiter Stelle steht der Wunsch nach einer Verlängerung der Mezzanine-Finanzierung.

„Es wird Unternehmen geben, die problemlos eine Anschlussfinanzierung erhalten. Es wir einige geben, die sich schwer tun und einige, die keine Anschlussfinanzierung erhalten“, fasst Weddrien von DZ Equity Partner zusammen. Die Ausfallquoten bei den verschiedenen Mezzanine-Programmen variieren zwischen sechs und 32 Prozent, sagte kürzlich Lars Mehrlich. Mehrlich kümmert sich um Equinotes, dem Mezzanine-Programm von Deutscher Bank und IKB. Nicht einig ist man sich, wie viele Engagements bereits notleidend geworden sind. So hat die Kanzlei CMS Hasche Sigle 17 Unternehmen identifiziert, die bereits Insolvenz anmelden mussten. Weitere würden folgen. Equinotes-Mann Mehrlich geht davon aus, dass bereits mehr als 70 Engagements mit einem Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro wegen Insolvenz abgeschrieben werden mussten.

Diese relativ hohe Quote lässt natürlich auch Rückschlüsse auf die Sorgfalt bei der Unternehmensauswahl für diese Programme zu. Damals war der Wettbewerbsdruck unter den Mezzanine-Anbietern hoch. Das scheint „fatal“ für die Entwicklung des Marktes gewesen zu sein, vermutet Hauck & Aufhäuser. „Der Standardisierung und dem Kostendruck im Wettbewerb fiel die strikte Beachtung des Grundsatzes zum Opfer“, nur bonitätsstarke Unternehmen in die Programme aufzunehmen. Risiken wurden durch die Verbriefungsstrukturen nicht nur wie gewünscht umverteilt, sondern auch neu geschaffen.

Unabhängig von den bestehenden Problemen hält Weddrien Mezzanine-Kapital für ein sehr gutes Finanzierungsinstrument. Es sollte aber individuell auf den Bedarf des Unternehmens zugeschnitten sein.

Kommentare zu " Mezzanine-Kapital: Wie sich die Fehler der Banken nun rächen"

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  • Sicherlich haben die banken in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht, doch sie damit unter den "automatischen Generalverdacht der alleinigen Schuldigkeit" zu stellen ist aus meiner Sicht nicht fair.

    Ähnlich wie bei Strukturierungen von nachhaltig erfolgreichen Geldanlagen wird es auch für die Unternehmen immer schwieriger eine passende Finanzierungsstruktur zu entwickeln.
    Häufig wird die Wichtigkeit dieser Aufgabe unterschätzt und eine gute Finanzierung wird nur daran festgemacht, dass sie entweder günstig oder leicht zu erhalten ist. Doch das reicht heute oftmals nicht mehr aus.

    Übrigens sollte jedem Unternehmen bewusst sein, dass sich Rahmenbedingungen immer wieder verändern. Und auch das ein Kredit nun einmal zu tilgen ist oder rechtzeitig prolongiert werden muss.
    Wer einmal in der Krise erlebt hat wie schnell die banken Kreditlinien kürzen oder ganz streichen, der hat leidvoll erfahren wie wichtig eine risikominimierende Finanzierungsstruktur, eine unabhängigkeitssichernd hohe Eigenkapitalquote (auch wenn der Steuerberater etwas anderes empfiehlt)sowie eine angemessene Planung der Liquidität ist.

    Allen betroffenen Unternehmen wünsche ich viel Erfolg beim Finden einer attraktiven Anschlussfinanzierung, denn die Refinanzierungszinsen der banken sind günstig wie seit Jahren nicht mehr.

  • @Kommentator
    Sicherlich leuchtet auch ihnen ein, dass eine verschlechterte Eigenkapitalquote einen höheren Kreditzins nach sich zieht. Durch die Hyrbidform des Mezzanine-Kapitals haben viele Mittelständler vergessen, dass dieses Kapital sich irgendwann wieder in Fremdkapital wandelt und somit die bilanz-Situation verschlechtert. Eine rechtzeitige Refinanzierung wäre also sinnvoll gewesen. Der bank jetzt die Schuld in die Schuhe zu schieben, von einem "riskanteren" Schuldner mehr Zins zu verlangen ist einfach unfair.

  • "Es ist klar, dass eine Anschlussfinanzierung nur zu deutlich höheren Konditionen zu haben sein wird“

    Nee, sorry, mir ist das nicht klar! M.W. war das Zinsniveau 2004-2007 deutlich höher als heute. Die Aussage heißt doch nur - die banken wollen wieder mehr Kohle abziehen.

    Ehrlich, diese branche kotzt mich an!

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