Mit eigenen Rezepten besetzen Mittelständler gezielt die Nischen im umkämpften Übernachtungsmarkt
Private Hoteliers leben vom Charme

Im Verdrängungswettbewerb der Hotelkonzerne und -kooperationen formiert sich am deutschen Übernachtungsmarkt eine zweite Liga selbstbewusster Mittelständler. Gezielt besetzen sie Marktnischen – jeder mit unterschiedlicher Ausrichtung. Gemeinsam ist ihnen nur das Erfolgsrezept, so Branchenbeobachter Stephan Gerhard. „Sie entwickeln effiziente Konzernstrukturen, doch im Auftreten haben sie immer noch den Charme privater Hoteliers“, resümiert der Chef der Münchner Hotel-Unternehmensberatung Treugast.

HB DÜSSELDORF. Lieber klein und fein: Ernst Kesper, Geschäftsführer der Welcome Hotels, verteufelt gerne die in der Branche verbreitete „Sucht nach Größe und Internationalität“. So engagiert sich die Warsteiner Firma, hinter der die örtliche Biermarke und das Kapital der Brauerfamilie Cramer steht, am liebsten in mittleren Großstädten. Dort treten die Großen selten an. Mit einem Haus im gehobenen Vier-Sterne-Segment hat Kesper gerade, wie er sagt, „Bamberg kongressfähig gemacht“ – mit entsprechenden Kapazitäten und Einrichtungen. Kesper plant 20 Adressen, hat aber keine Eile bei der Expansion: „Wir wollen nachhaltig Geld verdienen, das macht Spaß.“

Otto Lindner, Chef der Lindner Hotels & Resorts, hat ehrgeizigere Pläne. In drei bis fünf Jahren soll die Gruppe 50 Vier- und Fünf-Sterne-Häuser haben; heute sind es 21. „Wir wollen qualitativ wachsen, nicht expandieren“, differenziert der 42-jährige, der im übrigen keine Angst vor Großstädten hat. Die Philosophie der Familien-AG, die 1973 vom Vater in Düsseldorf gegründet wurde, beschreibt er so: „Wir verkaufen keine Zimmer, sondern Konzepte“. Neben dem hochwertigen Hotel will er von Zusatzangeboten profitieren. So betreibt Lindner das Hotel im Leverkusener Fußballstadion Bay-Arena, so gibt es Multimedia-Häuser in Frankfurt und Berlin. In Lindners Resorthotels von Sylt bis Crans Montana schaffen Wellness-Angebote den Zusatznutzen. „Lindner-Hotels sind lauter Unikate“, erklärt Berater Gerhard. „Er ist der einzige, der eine Marke ohne einheitliches Profil geschaffen hat.“

Bei Thomas Althoff spielt Größe eine untergeordnete Rolle: Althoff Hotels & Residences ist in puncto Luxus der Spitzenreiter unter den Kleinen. In seiner Hand voll Fünf-Sterne-Häuser betreibt er von Sternen gekrönte Gourmettempel. So kocht beispielsweise Dieter Müller im Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach, und jüngste Neuerwerbung ist das Hotel Fürstenhof in Celle mit dem bekannten Restaurant „Endtenfang“.

„Nicht die Zahl ist entscheidend, schön muss das Haus sein“, ist die Althoff'sche Devise. So fährt er das Konzept mit der Sterne-Gastronomie zurückhaltend – „nur da, wo der Gast Zeit hat, das zu nutzen." Und wo nicht, betreibt das Unternehmen vier Vier-Sterne-Business-Hotels ohne gekrönte Küchen.

Auf Gäste mit Zeit haben sich die Travel Charme Hotels und die Arkona-Hotels spezialisiert. Erstere waren früher die Urlauber-Herbergen des Reisebüros der DDR an der Ostsee. Ein dreistelliges Millionen-Investment machte sie zu Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. 20 bis 30 Betriebe sollen es in den nächsten zehn Jahren werden, sagte eine Sprecherin. Dem Qualitätstourismus seien alle verschrieben, mit anspruchsvollen, auch Wellness-Dienstleistungen, stets aber „überschaubar und persönlich“.

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