Mittelstand
Jobmotor der deutschen Wirtschaft

Der Mittelstand gilt als treibende Kraft der deutschen Wirtschaft – und das mit Grund. Dabei ist die klare Definition dieser Unternehmen noch ein eher geringes Problem: Als wirklich kompliziert erweist sich häufig die Geschäftsübergabe an den Nachfolger.

REISACH. Der deutsche Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft, er ist der Jobmotor der deutschen Wirtschaft - so lauten gängige Schlagzeilen. Was genau ist aber der Mittelstand? Während die Zugehörigkeit zum Segment "kleine und mittlere Unternehmen" quantitativ definiert ist (bis 250 Mitarbeiter, unter 50 Mill. Euro Umsatz pro Jahr, weitgehende Unabhängigkeit), definieren sich Mittelständische oder Familienunternehmen qualitativ, über die Einheit von Eigentum und Leitung.

Und das ist neueren Erkenntnissen zufolge genau ihr Erfolgsgeheimnis: Das Institut für Mittelstandsforschung veröffentlichte im Mai dieses Jahres eine Studie, wonach die drei Millionen Familienunternehmen in Deutschland bei 41 Prozent der gesamten deutschen Unternehmensumsätze Arbeitgeber von 57 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind. Stefan Heidbreder von der Stiftung Familienunternehmen erklärt: "Zwischen 2003 und 2005 haben die 500 größten deutschen Familienunternehmen 200 000 neue Mitarbeiter eingestellt, während im selben Zeitraum die gesamte Zahl der Inlandsbeschäftigten um 3 Prozent zurückging." Er führt diese Stärke darauf zurück, dass sie nicht durch Übernahmen und Fusionen wachsen, in deren Verlauf regelmäßig Arbeitsplätze vernichtet werden, sondern organisch aus eigener Kraft.

Auf dieser Basis sehen sie optimistisch in die Zukunft, wie das aktuelle "Mittelstandsbarometer 2007" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young eindrucksvoll belegt: 60 Prozent der 3 000 zu Jahresanfang befragten mittelständischen Unternehmen erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 73 Prozent sogar eine Verbesserung der Gesamtkonjunktur. Damit tragen Mittelständler den Aufschwung und stabilisieren ihn: Peter Englisch, Mittelstandsexperte von Ernst & Young, hält die Stimmung für einzigartig optimistisch: "85 Prozent der befragten Mittelständler wollen in diesem Jahr mindestens so viel investieren wie im letzten, 35 Prozent planen Neueinstellungen." Hier zeigt sich allerdings ein Problem, das für kleinere Unternehmen deutlich drängender ist als für große Konzerne: Qualifizierte Fachkräfte werden knapper, weil gerade unter Hochschulabsolventen immer noch einige Vorurteile bezüglich einer Karriere außerhalb institutionalisierter Aufstiegspfade in Großunternehmen kursieren. Deshalb bilden gerade kleinere Unternehmen bevorzugt selbst aus: Im Jahr 2004 stellten Unternehmen mit unter 500 Beschäftigen nach Zahlen des Wirtschaftsministeriums fast 83 Prozent aller Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Eine weitere Herausforderung für Mittelständler ist die Nachfolgeregelung: Wegen der hohen Identifikation mit dem (Familien-) Unternehmen fällt sie ihnen häufig sehr schwer. Das Institut für Mittelstandsforschung hat ausgerechnet, dass in den kommenden fünf Jahren deutschlandweit jährlich etwa 71 000 Unternehmen mit über 670 000 Mitarbeitern vor dem Problem stehen, einen geordneten Übergang in Eigentum und/oder Leitung der Firma zu bewerkstelligen. Hier besteht erheblicher Beratungsbedarf, den viele Unternehmer sich nur zögernd eingestehen. Mittels Existenzgründungsförderung und "High-Tech Strategie für Deutschland" will die Bundesregierung die Position und Zukunftsfähigkeit des Mittelstands steigern. Denn gerade kleinere Unternehmen setzen neue Technologien häufig als Vorreiter ein - ihre Unabhängigkeit von kurzfristigen Publizitätspflichten schafft ihnen Flexibilitätsvorteile gegenüber börsennotierten Konkurrenten.

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