Modernisierungsmarkt
Explosion der „zweiten Miete“ bringt neue Aufträge

Die Preise für Öl und Gas steigen und lassen die „zweite Miete“ nach oben schnellen. Davon profitiert die Heizungsbranche. Ihr Umsatz wuchs 2006 um fünf Prozent. Das kam wiederum den Baufirmen zugute, die beispielsweise Häuserisolationen anbieten. Der Modernisierungsmarkt boomt.

KÖLN. Michael Hesse rechnet: Die Preise für Öl und Gas steigen und lassen die „zweite Miete“ nach oben schnellen. Mehr als 80 Prozent der Energiekosten in einem Haus gehen für die Heizungs- und Warmwasseranlage drauf. „Da kann man richtig sparen“, sagt der Dortmunder Energieberater. Um bis zu 80 Prozent lasse sich der Energiebedarf durch Gebäudeisolation und neue Heiztechnik senken, verspricht Hesse: „Die Modernisierung kann sich bereits nach kurzer Zeit amortisieren.“ Bei einem Haus aus den Fünfzigern sei es bereits nach vier bis sieben Jahren soweit.

Hesses Rechnung überzeugt anscheinend viele. Zumindest boomt der Modernisierungsmarkt. So steigerte die Heizungsbranche ihren Umsatz 2006 um fünf Prozent auf 21 Milliarden Euro. Davon profitieren auch Baufirmen, die Modernisierungen wie Häuserisolationen anbieten. „Die Diskussion spielt uns in die Hände - keine Frage“, sagt Thomas Graber, Inhaber der Thomas Graber Dämmtechnik GmbH. Die mittelständische Firma aus Rimsting isoliert unter anderem Gebäude und Leitungen von Heizungsanlagen.

Graber betrachtet die Lage der Branche optimistisch. „Im Moment hat niemand einen Grund zu klagen“, sagt der Unternehmer. Im Gegenteil: Es gibt so viele Aufträge, dass das Material knapp wird. Auf Dämmstoff müsse man bis zu drei Monate warten, erklärt Graber. „Wartezeiten - das wäre vor zwölf bis 14 Monaten noch nicht vorstellbar gewesen“, sagt Dieter Buss, Geschäftsführer der Bonner Unternehmensberatung Baudialog GmbH. Die lange kriselnde Baubranche habe mit der Modernisierung ein Feld gefunden, mit dem sie die weiterhin mageren Neubauaufträge ausgleichen kann. Handwerksbetrieben, die in der Energieoptimierung tätig sind, sagt Buss auch für die nächsten Jahre ein ordentliches Wachstum voraus.

Einen Schub erhofft sich die Modernisierungsbranche vom so genannten Gebäude-Energiepass, der nach langem Hin und Her Anfang 2008 endlich kommen - und ein Grundproblem des deutschen Mietmarkts lösen soll: Viele Immobilienbesitzer vernachlässigen die Energieeffizienz, weil sie die steigenden Heizkosten auf die Mieter abwälzen können. Statt der sparsamsten entscheiden sie sich häufig für die billigste Heizungsanlage. Ein Großteil verzichtete lange ganz auf eine Modernisierung im Keller: Eine Umfrage der Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft hat ergeben, dass nur jeder achte Immobilienbesitzer mittelfristig seine Heizung erneuern will.

Der Gebäudepass könnte nun den Druck erhöhen, da der Energieverbrauch für die Mieter sichtbar wird. Die sind sensibel geworden, immerhin müssen sie jährlich rund 41 Milliarden Euro für die so genannte „zweite Miete“ berappen. Rund die Hälfte der Nebenkosten entfällt auf die Heizung. Mieter würden sich zunehmend „ihrer Marktmacht besinnen“, sagt Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbunds. Die Nebenkosten spielen bei Wohnungssuchenden als Auswahlkriterium immer öfter eine Rolle. „Häuser, an denen nichts gemacht wurde, werden zunehmend unvermietbar“, schätzt auch der Dortmunder Energieexperte Hesse.

Unternehmensberater Buss erwartet, dass auch gewerbliche Eigentümer wie Wohnungsgesellschaften bald auf den Modernisierungszug aufspringen. Für die Heizungstechniker und Handwerker aus der Gebäude-Isolierung würde das noch mal einen kräftigen Auftragsschub bedeuten.

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