Nachfolgesuche im Betrieb
Kuschel-Investoren für Familienunternehmer

Einen Investor ins Boot holen und womöglich die Herrschaft über die Firma abgeben: Was bei Start-ups in den USA gang und gäbe ist, ist für klassische Familienunternehmer oft undenkbar. Doch es gibt akzeptierte Varianten.
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StuttgartAls Wolfgang Dinkelacker keinen Nachfolger fand, entschied er sich 2003 für den Verkauf: „The World's local brewery“ lautete der Slogan des belgischen Bierkonzerns Interbrew damals. Genau die richtige Heimat für ein Traditionsunternehmen wie die Stuttgarter Brauerei - dachte man.

„Man hatte damals ein gutes Gefühl gehabt, das wurde von Interbrew so gelebt“, sagt Dinkelacker-Chef Bernhard Schwarz. Doch es kam anders: Interbrew tat sich mit der brasilianischen Ambev zusammen, der neue Multikonzern Inbev verfolgte eine neue Strategie. Um den aus seiner Sicht drohenden Niedergang seiner Firma zu verhindern, entschied sich Wolfgang Dinkelacker 2006 kurzerhand zum Rückkauf.

Die Geschichte dürfte die Ängste vieler Familienunternehmer bestätigten, wenn es um den Einstieg eines Fremdkapital-Gebers geht. Vor allem gegenüber Finanzinvestoren ist die Skepsis immer noch groß. An vorderster Stelle stehe die Befürchtung, Kontrolle und Unabhängigkeit zu verlieren, sagt Peter Bartels von der Wirtschaftsberatung PricewaterhouseCoopers. „Darüber hinaus scheuen viele Unternehmen die erhöhten Anforderungen an die Transparenz, die eingefordert wird.“

Das Problem sind die unterschiedlichen Vorstellungen über die Firmenführung. „Klassische Finanzinvestoren haben eine klassische Orientierung an einer Laufzeit“, sagt Tom-Arne Rüsen vom Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU). „Das ist der Kernunterschied zu den Interessen der Familienunternehmen, die eher daran denken, die Firma an ihre Enkel weiterzuvererben.“

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  • Es wird geschrieben, dass bei Familienunternehmen es leichter vor kommt, dass sie die Kontrolle und Unabhängigkeit verlieren. Interessant, dass dies genau bei Schaeffler steht, ich finde nicht, dass diese die Kontrolle verloren haben, vielleicht kurzfristig, wo sie Conti übernommen haben, aber sie haben sich schnell wieder gefasst und stehen heute wieder dort wo sie vor Conti standen und die Schulden sind auch nur eine Frage der Zeit, bis die abgezahlt sind. Das ist das schöne an Deutschland, es gibt kein anderes Land, wo es so viele gute erhaltene Familienunternehmen gibt, dass muss sich Deutschland bewahren.

  • aus meiner Erfahrung beschränkt sich die Kompetenz von Finanzinvestoren überwiegend auf High Potentials völlig ohne praktische Erfahrung, [...], teilweise hochgradig Kriminielle, überhebliche Besserwisserei, Financial Engineering / Leverage, einfache Dreisatzrechnerei und Rechtsverdreher mit deren Hilfe Familiengesellschafter die Hecke lang gezogen werden.
    da kann man nur eines raten : Finger weg
    es sein denn, von seiten der Finanzinvestoren wird eigenes Geld investiert, was so gut wie nie vorkommt


    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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