Nachgefragt mit Stefan Zeidler
„Übernahmen haben eine neue Dimension erreicht“

Der Firmenkundenvorstand der DZ Bank wird zurzeit so oft auf Übernahmen im Mittelstand angesprochen wie nie zuvor. Im Interview mit dem Handelsblatt verrät er die Gründe für diesen Trend.
  • 0

DüsseldorfDas Geschäftsklima im Mittelstand hat sich nach dem Einbruch im vergangenen Herbst wieder erholt. Das belegt eine Umfrage der DZ-Bank, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Im Interview spricht Firmenkundenvorstand Stefan Zeidler über Auslandserfahrungen und das zwiespältige Verhältnis zwischen Mittelstand und Banken.

Handelsblatt : Sogar der Bundespräsident forderte beim Familienunternehmertag, dass kleinere und mittlere Unternehmen mehr in Innovationen investieren sollten. Ihre Umfrage zeigt, dass zumindest die Investitionsabsichten wieder steigen, aber woran liegt es, dass die Unternehmen so zögern?
Stefan Zeidler: Innovationen im Sinne von neuen Geschäftsmodellen werden meiner Ansicht nach zunehmen, Stichwort Industrie 4.0. Das Bewusstsein in den Unternehmen ändert sich gerade.

Mehrere Studien zeigen, dass Übernahmen im Mittelstand zunehmen, spüren Sie das auch in den Gesprächen mit Unternehmern?
Ja, M & A hat eine neue Dimension erreicht. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich früher so oft auf Übernahmen angesprochen wurde wie zurzeit. Die Unternehmer, nicht die Finanzvorstände, sagen: 'Ich habe eine gute Eigenkapitalquote eine gute Liquidität und die Zinsen sind historisch niedrig, ich überlege wo ich investiere. Auch Zukäufe im Ausland werden diskutiert, das war in der Vergangenheit noch nicht so ein Thema wie jetzt.

Laut Ihrer Studie steigt der Finanzierungbedarf im Mittelstand nur sehr leicht, ist das Firmenkundengeschäft überhaupt noch attraktiv?
Es wird ein hochattraktives Geschäft bleiben, denn das Mittelstandsgeschäft umfasst die gesamte Bandbreite, die wir als Universalbank bieten können. So lange es dabei wenige Ausfälle gibt, ist das Geschäft lukrativ, wenn allerdings die Kreditbedingungen gelockert werden, dann ändert sich das.

57 Prozent der von Ihnen befragten Unternehmen engagieren sich im Ausland, raten Sie als Bank auch mal ab?
Wir sehen auch Unternehmen die aus einzelnen Ländern zurückkommen und diskutieren mit Kunden über Investitionsgrößen und -risiken. Was wir außerdem tun, ist, Kunden mit Unternehmern zusammen zu bringen, die bereits Erfahrungen im Ausland gesammelt haben. Die unternehmerischen Entscheidungen müssen sie selbst fällen.

Das Vertrauensverhältnis zwischen Banken und Mittelstand ist zwiespältig bis kritisch, wie wollen Sie daran etwas ändern?
Wir tun was wir sagen, wir stehen zu unseren Kunden. Die Mehrheit der Mittelständler ist zufrieden mit der Hausbank. Das Hausbankkonzept wird bleiben.

Ein Wirtschaftspsychologe sagte mir neulich, dass vor allem die Patriarchen ihren Banken misstrauen, wie sind Ihr Erfahrungen mit Patriarchen?
Ich habe auch Verständnis dafür, dass Unternehmer frei entscheiden wollen, und der Kredit dabei kein limitierender Faktor sein soll. Diese Unternehmer wollen bei Ihren Entscheidungen niemanden fragen, auch die Bank nicht. Doch ich glaube, es hat sich an den Unternehmensspitzen im Mittelstand etwas verändert, der Zeitgeist ist ein anderer. Das Führen eines Unternehmens ist heute anders. Der Facharbeitermangel sorgt dafür, dass Unternehmer anders agieren, mehr im Konsens. Auch der Umgang mit uns, den Banken, ist nüchterner und sachlicher geworden. Wir werden mehr Ratgeber und Dienstleister - auf Augenhöhe.

Kommentare zu " Nachgefragt mit Stefan Zeidler: „Übernahmen haben eine neue Dimension erreicht“ "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%