Nachteile für Genossenschaften und KGs befürchtet
EU-Parlamentarier kritisieren neue Bilanzregeln

Abgeordnete des Europaparlaments fordern eine Sonderregelung für die Anwendung der internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) in der EU.

HB BRÜSSEL. „Die neue Buchführung birgt Nachteile für den Mittelstand“, warnten gestern die Abgeordneten Alexander Radwan (CSU) und Klaus-Heiner Lehne (CDU) in Brüssel. Die Unionspolitiker fürchten, dass die ab 2007 für alle börsennotierten Unternehmen zur Pflicht werdenden Abschlüsse für KMUs Probleme mit sich bringen. Heikel sei zum Beispiel die fair-value-Methode, die bei der Bilanzierung die Angabe des aktuellen Zeitwerts von Immobilien und Grundstücken verlangt. Dadurch, so meinen Radwan und Lehne, werde die Ertragslage eines Mittelständlers verfälscht, seine Steuerlast unter Umständen erhöht. Denn der Zeitwert liege oft erheblich über dem Wert zum Zeitpunkt des Kaufs.

Problematisch sei auch die Behandlung von Gesellschafteranteilen bei Kommanditgesellschaften (KG) oder Genossenschaften. Rechnungslegung nach IFRS werte Einlagen nicht mehr als Eigenkapital, sondern als Fremdkapital. Dadurch würden Eigenkapitaldecke und Kreditwürdigkeit enorm herabgesetzt, so die beiden Europaabgeordneten. Radwan und Lehne prognostizieren für KGs und Genossenschaften „massive Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Rechtsformen“.

Ähnliche Sorgen hat auch der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH). Matthias Lefarth, Abteilungsleiter Steuern beim ZDH, glaubt, dass der deutsche Fiskus künftig Unternehmen stärker abschöpfe, die nach IFRS eine bessere Eigenkapitalausstattung aufweisen.

IFRS ist zwar nur für Konzerne obligatorisch. Mittelständler werden in Deutschland weiterhin nach dem Handelsgesetzbuch bilanziert. Experten erwarten jedoch, dass Banken wegen der neuen Eigenkapitalvorschriften (Basel II) und börsennotierte Unternehmen von ihren mittelständischen Geschäftspartnern IFRS-Abschlüsse verlangen. „De fakto wird die neue Rechnungslegung zum Standard für alle, da die Bonitätsermittlung eines Schuldners international vergleichbar sein muss“, so Radwan und Lehne. Der ZDH geht davon aus, dass sich IFRS bis 2015 durchgesetzt haben wird.

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