Naturkosmetik
Goettergaben.com: Botschaft aus der Badekugel

Naturkosmetik zum selbst Zusammenstellen statt Chemiecocktail aus der Tube – das ist die Idee des Hamburger Start-ups Göttergaben von Annette Asmus. Das Unternehmen setzt auf Individualisierung und trifft dabei den Nerv der Zeit.

Es brodelt, es zischt und plötzlich ist das Badewasser lila gefärbt. Dazu breitet sich ein blumiger Duft von Geranie und Rose aus, von Myrte und dem Zitronengras Palmarosa. Auch etwas Zitrone und Limette mischt sich darunter. Fast eine Minute dauert die dufte Whirlwannenvorstellung, dann treibt eine kleine Plastikkapsel auf den knallbunten Wogen an die Wasseroberfläche. Die ist kaum daumenlang, liebevoll mit einem silbernen Bändchen umwickelt und mit einem rosa Papierstreifen gefüllt. Im Inneren steckt wie in einer Flaschenpost ein kurzer Text. „Damit überbringen unsere Kunden ihre ganz persönliche Botschaft“, sagt Annette Asmus. Meist sind es Heiratsanträge.

Mit ihrer Firma Göttergaben bietet die 41-jährige Diplom-Kauffrau handgemachte Naturkosmetik an, die die Kunden individualisieren und etwa auch mit persönlichen Nachrichten versehen können. Die Texte können so lang wie eine SMS sein. Sieben Varianten dieser Badekugeln gibt es, je nach Stimmungslage als „Glücksfänger“, „Seelenretter“, „Wolkenschieber“ oder „Abtaucher“, immer mit anderen Farben und Düften, aber stets reine Naturprodukte. Dass der Heiratsantrag der Renner ist, ist kein Zufall. „Wir haben bei Google eine Anzeige geschaltet die auf uns verweist, wenn jemand das Wort Heiratsantrag eingibt“, sagt Asmus.

Seit April ist Asmus mit goettergaben.com. online und sieht sich am Puls der Zeit: „Der Trend geht zum einen zur immer stärkeren Individualisierung, zum anderen zum Naturprodukt.“ Genau diese beiden Aspekte vereint sie in ihrem Start-up, an dessen Vorbereitung sie fast zwei Jahre gearbeitet hat. Neben den Badekugeln mit Botschaft sind auch Massageseifen, Körperpeelings, Lippenbalsam, Gesichtsreiniger sowie die Hautcreme „Göttersahne“ im Angebot.

Über zehn Jahre war die Gründerin im Produktmanagement großer internationaler Kosmetikkonzerne tätig, kennt sich also in der Branche aus. „Dort werden vor allem billige Mineralöle als Basis für Cremes benutzt – voller Konservierungsstoffe, die die Hautfunktionen blockieren. Genau das wollen wir vermeiden,“ sagt Asmus. In ihrer kleinen Hamburger Manufaktur stapeln sich Naturprodukte aus aller Welt, die Lebensmittelstandard haben. Ein Sack Bio-Rohrzucker, Avocado- und Sheabutter in Fässern, Kakaobutter in Plättchen und jede Menge duftender Pulver: getrocknete Cranberries und schwarze Johannisbeeren, Sanddorn, Bio-Schokolade oder Meersalz.



Über Monate hinweg wurden die Rezepturen entwickelt, von einer Lebensmittelchemikerin zertifiziert und der Giftzentrale gemeldet. Für jeden Rohstoff gibt es ein eigenes Herkunftszertifikat des Herstellers, von jedem gefertigten individuellen Produkt wird ein Rückstellmuster gezogen und aufbewahrt. „Die behördlichen Auflagen durch die Kosmetikverordnungen sind extrem und werden immer strenger. Da ist es als kleiner Anbieter schwer, sich zu behaupten. Das ist auch genau das, was die Konzerne verhindern wollen“, sagt die Jungunternehmerin. So sei es schwierig, von jenen Herstellern, deren Rohstoffe wie gefordert zertifiziert sind, die nötigen kleinen Mengen zu bekommen. Und auch die Großen haben erkannt, dass hier ein Markt liegen könnte: „Procter & Gamble hat so ein individualisiertes Angebot auch schon mal versucht, ist aber gescheitert“, weiß Asmus. Sie selbst kam erstmals in Berührung mit selbstgemachter Kosmetik, als sie früher privat Seifen herstellte und an Freunde verschenkte – die begeistert waren.



Als Mutter von zwei Söhnen, inzwischen fünf und sieben Jahre alt, musste sie feststellen, dass die Karriereaussichten für Teilzeitarbeitende in Großunternehmen recht beschränkt sind. Zu ihrem 41. Geburtstag beschloss sie deshalb, es selbst als Unternehmerin zu versuchen. Ganz bewusst – „und das schon vor der Finanzkrise“ – verzichtete sie auf Kredite, weil sie sich nicht abhängig machen wollte.

Mit eigenen Mitteln, Improvisationstalent und mit der Hilfe von Freunden, die etwa das Logo entwarfen, Produktfotos beisteuerten oder als Sparringspartner dienen, konnte sie an den Start gehen. Inzwischen freut sich Annette Asmus über die ersten größeren Aufträge von Firmen, die den werblichen Wert ihrer Botschafts-Badekugeln etwa für Kundeneinladungen nutzen. Eine Sorge bleibt ihr aber: „Es darf bloß nie passieren, dass ich aus Versehen die persönlichen Botschaften mal vertausche.“

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