Neue Absatzmärkte
Kleine Betriebe nutzen Globalisierung für sich

Kleine und mittlere Betriebe in Deutschland nehmen die Absatzmärkte außerhalb der Landesgrenzen ins Visier. Dabei blüht ihr Geschäft auch abseits der großen Industriezentren. Dort treffen sie nicht nur auf andere Kulturen, sondern auch unterschiedlichen Rechtssysteme, Philosophien und Risiken.

KÖLN. 15 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe waren laut einer Studie von Creditreform schon vor 1990 im Ausland aktiv. Sie seien damit „Vorreiter der Internationalisierung des Mittelstandes.“ Zwei der Pioniere finden sich in dem beschaulichen Ort Bockhorn nahe der friesischen Küste. Abseits der großen Industriezentren gehörte für sie das weltweite Geschäft schon vor der Globalisierung zum Alltag. Etwa für Franz Sagemüller, Inhaber der gleichnamigen Maschinenfabrik. Das Unternehmen hat sich seit mehr als 25 Jahren auf die Entwicklung und Herstellung von Tee-, Kräuter- und Tabakverarbeitungsmaschinen spezialisiert.

Bereits kurz nach Unternehmensgründung lieferte der Maschinenbauer Mitte der 1980er-Jahre eine Anlage nach Äthiopien. Die Montage vor Ort bis zur Inbetriebnahme zählte dabei von Beginn an zu den wichtigsten Vertragsbestandteilen im Export. Durchschnittlich sind rund zehn der 40 Mitarbeiter des friesischen Betriebs im Ausland unterwegs. Sie begegnen nicht nur anderen Kulturen, sondern auch unterschiedlichen Rechtssystemen.

Gerade für kleine Unternehmen birgt die juristische Vielfalt Risiken, die Sagemüller jedoch pragmatisch umschifft: „Wir haben bei Vertragsabschlüssen stets darauf bestanden, dass der Gerichtsstand Deutschland ist. Nur so erhalten wir ausreichend Rechtssicherheit.“

Hinsichtlich der Zahlungsmoral ergeben sich weniger regionale als vielmehr größenspezifische Unterschiede, wie der Unternehmer aus Bockhorn berichtet: „Unsere besten Kunden sind aus der Garage entstanden und mit unseren Maschinen gewachsen. Das schafft eine gemeinsame mittelständische Philosophie, unabhängig davon, ob der Kunde in Taiwan, Brasilien oder England sitzt. Bei größeren Konzernen sind dagegen die Prozesse manchmal sehr langwierig.“ Mit amüsiertem Schrecken denkt Sagemüller an die eigenen Anfänge der weltweiten Geschäftstätigkeit zurück. Informationen über Exportfinanzierungen oder nationale Einfuhrbestimmungen waren nur schwer verfügbar. Hier hat sich aus seiner Sicht der spürbarste Wandel im Zeitalter der Globalisierung vollzogen: „Unser Geschäft ist nicht globaler geworden, das war es schon immer. Aber komfortabler, dank der neuen Kommunikations-, Informations-, und Finanzierungsmöglichkeiten."

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