Neue Bilanzierungsregeln
Dem Mittelstand droht Eigenkapital-Schwund

Unternehmen, die die künftig nach IFRS bilanzieren wollen, droht eine bilanzielle Verringerung knapper Eigenmittel. Denn Kommanditkapital gilt danach nicht als Eigenkapital. Die Regeln müssten weiterentwickelt werden.

HB MÜNSTER. Wachstum lässt sich am besten durch Eigenkapital finanzieren. Es sichert dem Unternehmer die Herrschafts- und Geschäftsführungsfunktion und bietet ihm gleichzeitig eine dauerhafte Arbeitsgrundlage. Denn mit dem Eigenkapital haftet er einerseits Gläubigern und kann damit Verluste ausgleichen. Andererseits determiniert es seine Gewinnbeteiligung als Grundlage für neue Eigenkapitalbildung.

Allerdings ist das handelsrechtliche bilanzielle Eigenkapital als Differenz zwischen der Summe der Buchwerte der Vermögensgegenstände und der Schulden bei mittelständischen Unternehmen viel zu niedrig. Diese Eigenkapitalschwäche bremste in der Vergangenheit das Wachstum oder führte zu Insolvenzen. Um diese Strukturschwäche zu mildern, will die Bundesregierung kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) die Bildung von Eigenkapital sowie den Zugang zu eigenkapitalnahem mezzaninen Kapital erleichtern. Allerdings bereitet die Bilanzierung von Eigenkapital im IFRS-Abschluss und von mezzaninem Kapital im HGB-Abschluss Probleme.

Bei Personenhandelsgesellschaften, die künftig nach IFRS bilanzieren wollen, darf Kommanditkapital im IFRS-Abschluss nicht als Eigenkapital bilanziert werden, weil es kündbar ist. Das ist unzumutbar, weil dieses Kapital trotz der Kündbarkeit die Eigenkapitalfunktionen erfüllt, solange es im Unternehmen zur Verfügung steht. Um zu verhindern, dass große Teile des Mittelstands bei einem Übergang von HGB auf IFRS ihr ohnehin knappes Eigenkapital "verlieren" - welches aber unabhängig vom Bilanzausweis die Eigenkapitalfunktionen erfüllt -, sind Wege zu suchen, die einen Fremdkapitalausweis des bisherigen HGB-Eigenkapitals im IFRS-Abschluss verhindern.

Einen, wenn auch noch unzulänglichen Weg, hat IFRIC 2 gewiesen: Dieser Weg geht über die Schaffung eines Zustimmungsvorbehalts des emittierenden Unternehmens, um eine Rückzahlungspflicht der gekündigten Anteile zu verhindern und beziehungsweise oder die Festlegung eines Eigenkapitalmindestbetrags, der durch Rückzahlungen nicht unterschritten werden darf. In beiden Fällen sieht IFRIC 2 für diese Kapitalien im IFRS-Abschluss einen Eigenkapitalausweis vor.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine Weiterentwicklung der IFRS-Eigenkapitalkriterien ist dringend geboten

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