Neue Gesetze
Software erhöht die Produktsicherheit

Seit vor zwei Jahren das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz in Kraft getreten ist, haben sich auch die juristischen Anforderungen an die Produktsicherheit erhöht. Unternehmen setzen daher immer häufiger so genante Qualitätsmanagement-Systeme ein, um Imageschäden und juristische Auseinandersetzungen schon im Vornherein zu vermeiden.

HB BERLIN. Dreimal in der Woche heißt es in Deutschland bei irgendeinem Autobauer: Alle Wagen in die Werkstatt. Rückrufaktionen gehören in der Industrie zum Alltag. Wie groß der Schaden und die Blamage sein kann, erlebte vor allem Mercedes-Benz im vergangenen Jahr: 1,3 Millionen Autos rief der Nobelbauer nach Problemen in der Elektronik und bei den Bremsen zurück – mehr als je zuvor.

Seit vor zwei Jahren das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz in Kraft getreten ist, haben sich auch die juristischen Anforderungen an die Produktsicherheit erhöht. Wolfgang Doll vom Referat für Geräte- und Produktsicherheit des Arbeitsministeriums erklärt die Veränderungen: „Neu ist unter anderem eine Selbstanzeigepflicht. Hersteller müssen unsichere Produkte bei den Behörden anzeigen, vom Markt nehmen oder mindestens reparieren.“

Die Alternative zur aufwändigen Nacharbeit heißt Vorsicht – und so setzen produzierende Unternehmen immer häufiger so genante Qualitätsmanagement-Systeme ein, um Imageschäden und juristische Auseinandersetzungen schon im Vornherein zu vermeiden. Dazu dienen zum Beispiel CAQ-Systeme (Computer Aided Quality Management), die Hersteller bei der Anwendung von Qualitätsmanagement-Methoden unterstützen. Vorhersehbare Fehler, die Hersteller nach den neuen Gesetzen ebenfalls berücksichtigen müssen, lassen sich so bereits in der Produktentwicklung analysieren und bewerten. Mit speziellen Analysen werden Risiken für Fehlerursachen und ihre Bedeutung für den Endverbraucher im Vorfeld abgeschätzt. „Auf Grundlage der Analyse kann man den Herstellungsprozess dann anpassen“, erklärt Michael Flunkert, Geschäftsführer der Wuppertaler Babtec Informationssysteme, die CAQ-Systemen vertreibt.

CAQ-Lösungen verwalten Prüfpläne und dokumentieren die Ergebnisse im gesamten Produktionsprozess: Vom Einkauf von Teilen oder Rohmaterial, über die Montage bis zur Endprüfung – und das im Sinne der Rückverfolgbarkeit jederzeit reproduzierbar. „Alle erforderlichen Prüfungen werden im CAQ-System geplant, durchgeführt und dokumentiert", sagt Flunkert. Um Qualitätsstandards zu sichern, ist in Folge der neuen Gesetze und Vorgaben auch die Zahl einheitlicher Zertifizierungen gestiegen, denen Systeme zum Qualitätsmanagement (QM) folgen. Rein rechtlich bieten solche Systeme gleichwohl noch keinen ausreichenden Schutz, weil die meisten QM-Normen erst bei der Entwicklung von Produkten ansetzen und beim Kundenservice enden – statt den gesamten Produktlebenslauf zu erfassen.

Der langjährige Experte auf dem Gebiet Technik-Recht, Heinz W. Adams, sieht im Rückblick auf 25 Jahre Qualitätssicherung gar negative Folgen: „Je mehr Vorgaben zu QM-Systemen es gibt und je mehr zertifizierte QM-Systeme existieren, desto häufiger finden Produktrückrufe gerade in der Automobilindustrie statt.“ Adams fordert darum eine Rückbesinnung zum Wesentlichen: Der reinen Produktsicherheit. Denn schließlich nützt höchste Verarbeitungsqualität niemandem, wenn das Auto nicht bremst oder rutscht. Abgesehen davon, dass ein Rückruf die betroffenen Unternehmen leicht bis zu hundert Millionen Euro kosten kann.

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