Neues Geschäftsmodell
Rating-Agenturen vergeben Noten für den Mittelstand

Wolfgang Kalmbach freut sich wie ein Schuljunge, der sein Zeugnis ohne schlechtes Gewissen den Eltern vorlegen kann. Für sein mittelständisches Unternehmen, die Elektro Kalmbach GmbH, hat der Geschäftsführer und Inhaber die Note BBB erhalten. Das steht für befriedigende Kreditwürdigkeit.

HB/dpa STUTTGART. Ein solches externes Rating, mit dem sich früher nur Großunternehmen schmücken konnten, wird in den kommenden Jahren auch für kleine und mittlere Firmen interessant. Neue Rating-Agenturen versuchen, den Markt für sich zu erobern.

Kalmbach ließ seine Elektrotechnik-Firma mit 50 Mitarbeitern von seinen neuen Nachbarn in einem Stuttgarter Gewerbegebiet auf Herz und Nieren prüfen. Die früheren Genossenschaftsbanker Elmar Marmann und Rainer Sanzenbacher haben dort die Sanmar AG gegründet und bieten Ratings für Mittelständler in der wirtschaftsstarken Region an. Etwa fünf Tage dauert die Untersuchung im Schnitt. Produkte, Finanzen und Strategie der Kunden kommen auf den Prüfstand. Die oft verschwiegenen Betriebsinhaber müssen sich unangenehme Fragen gefallen lassen. „Durch das Rating habe ich auch Schwachpunkte erkannt“, sagt Kalmbach.

Hintergrund für das externe Rating ist „Basel II“. Der Begriff steht für komplizierte Richtlinien, die ab 2006 die Kreditvergabe von Banken international neu regeln sollen. Je nach Bonität kann ein Geldinstitut dann mehr oder weniger Zinsen als bisher für einen Kredit verlangen. Früher waren enge persönliche Kontakte zwischen Hausbank und Unternehmen manchmal ausreichend für die Kreditvergabe. Künftig sollen messbare Erfolgskriterien den Ausschlag geben.

Regionale Start-Ups wollen mitmischen

Die Prüfung der Kreditwürdigkeit bei den Konzernen haben in der Vergangenheit die internationalen Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch übernommen. Doch bei den mittelständischen Firmen wollen auch regionale Start-Ups wie sanmar mitmischen. Nach Branchenschätzungen könnten sich bis 2010 rund 10 000 Betriebe in Deutschland extern beurteilen lassen. Eine Pflicht besteht nicht, denn die Banken können das Rating ihrer Kunden auch intern übernehmen.

Die deutschen Sparkassen investieren für den Aufbau ihres eigenen Rating-Systems einen dreistelligen Millionenbetrag. Die Konkurrenz wird deshalb nicht immer gern gesehen. „Der Kunde, der bei uns ist, braucht kein externes Rating“, meint Heinrich Haasis, Vize-Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Für kleine Mittelständler lohne sich der Aufwand nicht. Die Agenturen sehen das anders: Die Note könne nicht nur bei der Finanzierung über Kredite, sondern zum Beispiel auch beim Leasing oder Factoring - dem Verkauf von Forderungen - oder bei Lieferanten als Visitenkarte des Unternehmens präsentiert werden.

Voraussetzung ist natürlich, dass das Rating entsprechend positiv ausfällt. „Wenn ein Mittelständler mit BBB geratet wird, dann ist er schon gut“, erklärt Rainer Sanzenbacher. Bessere Noten auf der Skala von AAA (beste Bonität) bis D (ungenügend) seien für kleinere Unternehmen nur schwer zu erzielen. Experten rechnen damit, dass Basel II die Spreu vom Weizen trennen wird: Erfolgreiche Betriebe leisten sich ein Rating und bekommen bessere Konditionen, die anderen halten die offizielle Prüfung für überflüssig und kommen immer schwerer an neue Finanzierungsmittel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%