Neuordnung
Kredit- und Kapitalmarkt wachsen zusammen

Die traditionelle bank- bzw. kreditmarktbasierte Unternehmensfinanzierung in Deutschland vollzieht einen kontinuierlichen Wandel hin zu einem kapitalmarktorientierten System angelsächsischer Prägung. Ihre neue Rolle in dieser Ordnung müssen die Banken aber erst noch erlernen.

FRANKFURT So spielen Kapitalmarktteilnehmer sowohl bei der externen Finanzierung als auch bei der Kontrolle von Unternehmen heute eine wesentliche Rolle. Zudem steht der rechtliche Schutz der Anteilseigner durch ausgeprägte Aufsichtsregeln und eine transparente Rechnungslegung im Vordergrund.

Die Gründe für das globale Zusammenwachsen von Kredit- und Kapitalmärkten liegen insbesondere in der Innovationskraft des Finanzsystems, aber auch im regulatorischen Umfeld. Dabei haben die Institutionalisierung und Professionalisierung im Bereich der Vermögensanlage als Treiber für die Nachfrage nach neuen Anlagemöglichkeiten gewirkt. In diesem Zusammenhang waren in Europa neben den EU-Bestrebungen nach einer Vereinheitlichung des Finanz-Binnenmarktes und einer Harmonisierung der Finanzaufsicht die Einführung des Euro entscheidend.

Die Vernetzung der Kredit- und Kapitalmärkte hat dabei zur Entstehung von vielfältigen Finanzierungs- und Risikoabsicherungsinstrumenten geführt. Diese werden auf den unterschiedlichen und immer differenzierteren Teilmärkten gehandelt und beschleunigen das Zusammenwachsen der Märkte weiter. Prominente Beispiele hierfür sind so genannte Asset Backed Securities (ABS), die einen Risikotransfer vom Kredit- auf den Kapitalmarkt mittels Verbriefung von Vermögensgegenständen ermöglichen und Unternehmen so den indirekten Zugang zum Kapitalmarkt bieten. Ein weiteres Beispiel ist die rasante Entwicklung im Markt der Kreditderivate mit ihrem bedeutendsten Instrument, dem Credit Default Swap (CDS). Er sichert das Ausfallrisiko einer zugrunde liegenden Kreditbeziehung ab und macht so Kreditrisiken separat vom Kredit handelbar. Bezog sich der CDS bislang vor allem auf anleiheähnliche Instrumente, so entsteht zurzeit ein so genannter "loan-only credit default swap" (LCDS), der für den Markt der syndizierten Kredite ein geeignetes Risikoinstrument werden könnte.

Für die deutschen Unternehmen stellt dies Opportunität und Herausforderung gleichermaßen dar, in Bezug auf die risikoadäquate Konditionengestaltung, eine transparente Rechnungslegung, Ratingaspekte oder auch hinsichtlich der Corporate Governance. Vor allem aber bieten sich neue Möglichkeiten: Neben dem günstigen Zins- und Liquiditätsumfeld profitieren Unternehmen von erweiterten Finanzierungs- und Risikoabsicherungsmöglichkeiten. Die Eigen- und die Fremdkapitalseite kann mit Hilfe unterschiedlichster Finanzierungsinstrumente zunehmend unternehmensindividuell optimiert werden. Neben Zins- und Währungsrisiken sind heute beispielsweise sogar Wetter- und Inflationsrisiken handelbar.

Bei den Banken führten die genannten Entwicklungen zu einem neuen Rollenverständnis. Ein Teil ihres Kreditgeschäfts (Commercial Banking) wird zum Kapitalmarktgeschäft (Investment Banking), ein Teil des Zinsgeschäfts zum Provisionsgeschäft. Die Institute sehen sich nicht länger als klassische Vermittler auf dem Kreditmarkt, sondern zunehmend auch als Katalysator zwischen Unternehmen und Kapitalmarkt. Dies gelingt besonders dann, wenn Banken ein sehr gutes Verständnis der Unternehmen haben und einen Teil dieser Risiken, wenn auch in einer anderen Form, bewusst selbst auf der Bilanz halten.

Achim Klüber ist Managing Director The Royal Bank of Scotland, Global Banking & Markets, Country Head Germany, Austria, Switzerland.

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