Nischenmärkte
Mit Prinz Charles zum Bioboom

Bioprodukte etablieren sich im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland. Deutsche Anbieter können von der Entwicklung profitieren.

LONDON. Die Nachfrage nach Bioprodukten steigt im Vereinigten Königreich um zweistellige Prozentzahlen – und das schon seit neun Jahren in Folge. Das Marktvolumen dürfte 2006 bei über zwei Milliarden Pfund Sterling liegen, etwa ein Drittel höher als im Jahr zuvor. Die Nachfrage legt schneller zu als das inländische Angebot und muss durch Importe gedeckt werden. Regulierungsstellen achten darauf, das auch Bio drin ist, wo Bio draufsteht.

Der Boom der Naturprodukte hat ein prominentes Aushängeschild: Prinz Charles. Der Königssohn begann schon vor 20 Jahren, seinen Grundbesitz in Highgrove, Gloucestershire, und die Duchy Home Farm auf ökologische Erzeugung umzustellen. Etwa 130 Bioprodukte bestreiten heute das Sortiment. Neben dem Ursprungsort dürfen auch weitere ausgewählte Ökohöfe den Markennamen „Duchy Originals“ tragen.

Immer mehr britische Verbraucher nehmen Rücksicht auf die Umwelt, ernähren sich gesund und sind für Fairtrade, den fairen Handel mit Entwicklungsländern, sensibilisiert. Begünstigt wird dies auch durch die anhaltend positive Wirtschafts- und Einkommensentwicklung.

„Deutsche Anbieter haben gute Chancen in einer Reihe von Nischenmärkten“, sagt Joachim Oertel von der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) in London und nennt als Beispiele Roggenmischbrote, Süß- und Backwaren, Joghurt und bestimmte Biokäsesorten. Hinzu kommen Biosalami und Bioschinken, die dank fortschreitender Verarbeitungstechnik optisch ansprechender angeboten werden können. Interessant sind auch Fertiggerichte mit Biozutaten, Biobier und -wein sowie Biokosmetik und -textilien.

Die meisten Bioprodukte werden über den konventionellen Einzelhandel vertrieben, allen voran die großen Supermarktketten Tesco, Sainsbury’s, Asda und Waitrose, die insbesondere frische Bioprodukte unter eigenen Hausmarken vertreiben. Der klassische deutsche Bioladen ist weitgehend unbekannt. Stattdessen gibt es eine zunehmende Anzahl von „Health Stores“, die ein breiteres Sortiment von Bioprodukten bis hin zu alternativen Arzneimitteln anbieten.

Neu auf dem Markt ist die US-Kette Whole Foods Market mit einem ersten 8.000-Quadratmeter-Laden im kaufkräftigen Westlondoner Stadtteil Kensington. Dem Unternehmen, das in Nordamerika über 180 Geschäfte betreibt, gehören auch sechs übernommene Läden der Kette „Fresh & Wild“. Nach CMA-Angaben häufen sich in London die Anfragen britischer Importeure und Handelsvertreter, die Öko-Nahrungsmittel und Getränke aus Deutschland suchen. Deutschen Interessenten empfiehlt Oertel einen Besuch vor Ort: Dies sei der effizienteste Weg, sich einen Eindruck von Ange- bot und Warenpräsentation zu machen.

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