Öko nur zum Marketing
Ölmultis überlassen die Sonne dem Mittelstand

Im Wasser tummeln sich Pinguine, Kinder laufen mit Sonnenblumen auf dem Arm über grüne Wiesen. So sieht sie aus, die heile Welt der Ölkonzerne – auf deren Internetseiten. In Wahrheit überlassen sie das Öko-Geschäft fast vollständig dem Mittelstand. Ihnen dients es oft allein zum Marketing.

KÖLN. „Das meiste davon ist nur Fassade“, sagt Christophe Ballif, Experte für Solartechnologie an der Schweizer Universität Neuchatel. Die Wirklichkeit sieht anders aus. In Wahrheit ziehen sich die großen Energielieferanten zunehmend aus dem Öko-Geschäft zurück. Erst im vergangenen Jahr verkaufte Shell seinen kompletten Geschäftsbereich für konventionelle Solarzellen an den Börsenstar Solarworld. Von den 1500 Mitarbeitern, die für die Shell-Tochter arbeiteten, bleiben nur 50 erhalten.

Im Unternehmen verbleibt einzig der Bereich Dünnschichttechnologie, der zuvor gerade mal fünf Prozent des Fertigungsvolumens ausmachte. „Wir wollen uns künftig auf diesen aus unserer Sicht innovativsten Bereich konzentrieren“, sagt Franz Karg, bei Shell Solar verantwortlich für Dünnschichttechnologie.

Gerüchte in der Branche nennen andere Gründe für Shells Rückzug aus der Sonnenenergie. Das Unternehmen, so heißt es, hat in der Vergangenheit schlicht den Anschluss verpasst und sich zudem nicht genügend Nachschub der knappen Ressource Silizium gesichert, die für die Herstellung von Solarzellen unverzichtbar ist. „Wie die meisten Ölkonzerne hat Shell den Solartrend schlicht verschlafen“, sagt Sonnenenergie-Experte Ballif.

Kurzsichtiges Management bei den großen Spielern

So waren es in den vergangenen Jahren vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die den Multis den Rang abgelaufen haben. Grund für diese Entwicklung ist Experten zufolge ein zu kurzsichtiges Management bei den großen Spielern, das zu wenig auf zukunftsträchtige Forschung und zu sehr auf das herkömmliche Ölgeschäft setzt.

Die Strategie der Konzerne: „Die Großen halten sich aus einem einfachen Grund aus dem Geschäft mit erneuerbaren Energien zurück. Sie wollen in der Gegenwart den Aufwand für Forschung und Entwicklung sparen und später einfach einen führenden Anbieter von Solartechnik aufkaufen“, erklärt Ballif.

Der Erfolg dieses Kalküls ist allerdings fraglich. Schließlich sind in den vergangenen Jahren einige erfolgreiche Mittelständler wie Solarworld, Q-Cells oder Schott selbst zu Riesen aufgestiegen. Zudem ist die Zeit auf Seiten der Mittelständler. Denn mit jedem Tag, an dem die Branchenriesen nicht in den Markt einsteigen, wachsen die Kleinen weiter und sind zunehmend in der Lage, selbst in großem Stil Geld in die Forschung zu pumpen. Die Kursentwicklung an den Börsen gibt ihnen Recht und verstärkt ihre Chancen, den Großen bei Übernahmeversuchen die Stirn zu bieten.

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