Open Source
Erweiterbare Software nützt nicht jedem

Offene Software wird derzeit hoch gelobt und aggressiv vermarktet. Doch längst nicht alle Mittelständler können von den Programmen mit offener Architektur profiteren. Um sie voll zu nutzen, braucht es viel IT-Know-How. Für die meisten Unternehmen reichen die Standard-Programme aus.

KÖLN. Jan Westerbarkey ist kein Freund großer Software-Konzerne. So hat er in seinem Unternehmen, dem Gütersloher Rohr- und Lüftungshersteller Westaflex GmbH, schon länger keine Produkte von Microsoft mehr im Einsatz. Statt dessen setzt der Westaflex-Geschäftsführer auf frei verwendbare Open-Source-Produkte, zum Beispiel OpenOffice statt Microsoft Word - und zeigt sich damit sehr zufrieden. "Unserer Erfahrung nach sind die Open-Source-Anwendungen den kommerziellen Anwendungen überlegen", sagt Westerbarkey. "Büro-Anwendungen würden wir nie mehr kaufen." Nur bei der Verwaltung der zentralen Unternehmensdatenbank traut er der Software mit offenem Quellcode nicht ganz. Dort setzt Westaflex eine kommerzielle Software ein - aber keine, die aus einem Guss ist und sich nur mit Produkten des selben Herstellers erweitern lässt. Stattdessen hat sie erweiterbare Schnittstellen und lässt sich mit anderen EDV-Produkten vernetzen. Diese Möglichkeit nutzt Westerbarkey bisher allerdings kaum. "Wir kommen mit dem Standard aus", sagt er.

Mit diesem Satz schafft es Westerbarkey, das Verhältnis vieler Mittelständler zu Software mit offener Architektur zu charakterisieren. Denn obwohl diese Art von Software vielerorts hoch gelobt und aggressiv vermarktet wird, nützt sie mittelständischen Unternehmen nur bedingt etwas - sie kommen oft mit dem Standard aus und brauchen die besondere Flexibilität solcher Anwendungen nicht.

Schon unter dem Begriff "offene Architektur" verstehen nicht alle das Gleiche. Gelegentlich sind damit Open-Source-Produkte gemeint, Programme, deren Quellcode offen zugänglich ist. Meist meint der Begriff jedoch Software, deren Schnittstellen erweiterbar sind. So kann man sie mit anderen Programmen verbinden. Der Vorteil: Ein Unternehmen, das beispielsweise ein neues Programm für die Warenwirtschaft braucht, muss nicht auf die Software-Lösung des Herstellers zurückgreifen, von dem die restliche Unternehmenssoftware stammt, oder gar ein neues Komplett-System für das ganze Haus kaufen. Stattdessen kann es ein einzelnes Modul erwerben und es mit der schon bestehenden EDV vernetzen.

Der Nachteil ist allerdings, dass das Unternehmen die Software meist selbst in seine IT integrieren muss. Dazu braucht es jemanden mit den entsprechenden Kenntnissen - und so jemanden hat nicht jedes mittelständische Unternehmen gleich zur Hand. "Solche Software ist schwierig im Mittelstand zu platzieren, besonders in kleineren Unternehmen, die meist keine IT-Abteilung haben", sagt IT-Berater Eberhard Prinzing aus dem baden-württembergischen Lonsee-Urspring, der viele Mittelständler zu seinen Kunden zählt. Die meisten dieser Unternehmen sind seiner Erfahrung nach mit Komplettlösungen besser bedient. Die Ausnahme: Unternehmen, die viel mit anderen Unternehmen kommunizieren, zum Beispiel im herstellenden Gewerbe. "Dort ist der Markt für Software mit offener Architektur noch am ehesten gegeben", sagt Prinzing. Wenn deren Software sich mit der eigenen verbinden lässt, können zum Beispiel Aufträge elektronisch eingehen und gleich in der zuständigen Abteilung verarbeitet werden, anstatt erst per Telefon angenommen, registriert und weitergeleitet werden zu müssen.

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