Pirate Summit
Burning Man auf Kölsch

Die Kreativen Amerikas treffen sich in der Wüste von Nevada, Start-up-Insider kommen zum Pirate Summit nach Köln: Ein verrücktes, aber effektives Treffen von Tausend Gründern und Investoren aus aller Welt.

KölnEs ist wahrlich nicht die beste Gegend von Köln. Schon gar nicht für seriöse Geschäfte. Der Weg zum Pirate Summit führt vorbei am berüchtigten „Pascha“ und am „Bordellhaus“ mit greller Neonreklame und einer nackten Frau in Überlebensgröße hin zu einer Künstlerkolonie voller Skulpturen aus Alteisen und rostiger Dinosaurier.

Symbolisch wurde am ersten Abend vor den ausgelassen tanzenden Piraten ein riesiger Holzmensch verbrannt. Alles erinnert stark an das legendäre Burning Man-Festival in der Wüste von Nevada, das erst vor einigen Tagen zu Ende ging. Dort feiert sich die amerikanische Kreativen- und Gründer-Szene einmal im Jahr selbst.

Ebenso abgedreht, wenn auch einige Nummern kleiner, ist der Pirate Summit in der Domstadt: Köln-Nippes statt Nevada. Zum sechsten Mal trafen sich rund 1000 Start-up-Gründer und millionenschwere Wagniskapitalgeber aus der ganzen Welt. Im Anzünden von großen Puppen haben die Kölner ja Erfahrung: Vor Aschermittwoch wird traditionell der „Nubbel“ verbrannt. Und auch die Sonne brannte diesmal auf das sandige Gelände – fast wie in der Wüste von Nevada.

Am Eingang bekam jeder Teilnehmer eine Augenklappe und warme Socken gereicht – „damit keiner kalte Füße bekommt“. „Schließlich müssen Gründer ebenso unerschrocken sein wie Piraten“, meint Initiator Till Ohrmann. Über ihm saust ein kostümierter Seemann in zehn Metern Höhe an einem Seil quer über das Gelände. Durch die bunte Menschenmenge schlafwandeln Leute mit VR-Brillen. Wer möchte, darf probeweise eine Drohne fliegen lassen. Ein unvorsichtiger Pirat hat dabei fast seinen Finger verloren.

Das Festival, das vor sechs Jahren klein angefangen hatte, platzt inzwischen aus allen Nähten. Allein 600 Gründer aus 65 Ländern reisten nach Köln, dazu insgesamt 225 Investoren und Wagniskapitalfonds aus 20 Ländern. Vornehmlich Start-ups in der Frühphase, die erste potenzielle Geldgeber suchen. Mitmachen darf längst nicht jeder: Die Gründer werden vorher in Pitches auf Mini-Pirate Summits von London über Istanbul bis Tokio ausgewählt. „Etwa die Hälfte der Bewerber müssen wir ablehnen“, sagt der 29-jährige Oberpirat Ohrmann. Qualität ist den Organisatoren wichtig. Schließlich arbeitet Jolly Roger seit 2013 als kommerzielles Unternehmen mit rund 20 Mitarbeitern. Wer sonst kann ein Start-up-Event organisieren, wenn nicht ein Start-up?

Die Geldgeber erkennt man an grauen Schläfen und grünen Halsbändern. Die Gründer tragen rote Bänder. Hier kann jeder jeden anquatschen. Selbstverständlich duzt man sich. Auch Christian Nagel, Geschäftsführer des Wagniskapitalgebers Earlybird, ist gekommen. „Von der Stimmung her hat man fast das Gefühl, im Silicon Valley oder in Berlin zu sein“, frotzelt er.

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