Präventionsmaßnahmen
Risiken richtig managen

Betriebsunterbrechungen, Transportschäden, Produktrückrufe - noch immer werden viele Risiken gerade von Mittelständlern notorisch unterschätzt. Dabei sollten jedem Inhaber und Geschäftsführer schon bei kurzem Nachdenken zahlreiche Ereignisse einfallen, welche die betriebliche Existenz massiv bedrohen könnten.
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Escada, Hugo Boss, Strenesse: Wer diese Modemarken transportiert und lagert, kommt an einem professionellen Risk Management nicht vorbei. "Wenn eine Lkw- Ladung ausfällt, weil sie gestohlen oder verschmutzt wurde, können die Artikel wegen der dichten Lieferketten nicht mehr nachproduziert werden", mahnt Erich Höly, Qualitätsmanager der Spedition Barth & Co in Hallbergmoos. "Wir müssen dann haften." Als Höly mit dem Maklerunternehmen Aktiv Assekuranz die Schadensfälle der vergangenen Jahre untersuchte, machten sie ungenügende Ladungssicherungen als Hauptursache für Transportschäden aus. Jetzt muss die Arretierung im Ladungsprotokoll festgehalten werden. Außerdem förderten die Analysen einen ungenügenden Versicherungsschutz zu Tage. Weil Barth & Co Näh-, Bügel- und andere Zusatzleistungen anbietet, welche die Haftpflichtversicherungen nicht abdecken, handelte Aktiv Assekuranz eine Zusatzpolice mit Haftungsobergrenzen pro Artikel und gedeckelten Haftungssummen im Jahr aus.

Wer Betriebe auf mögliche Gefahren hin untersucht, welche durch fahrlässige Mitarbeiter, fehlerhafte Produkte oder unzureichende Policen drohen, wird häufig fündig. Für ein professionelles Risiko Management sprechen auch gesetzliche Vorgaben wie das Kontroll- und Transparenzgesetz (KonTraG), welches zumindest Kapitalgesellschaften zu Vorbeugemaßnahmen verpflichtet, sowie die Qualitätsmanagementsysteme wie DIN EN ISO 9001ff, die nur mit Strategien zur Risikominderung und-begrenzung überzeugen. Auch das Regelwerk von Basel II, welches erhöhte Unternehmensrisiken mit verkürzten Kreditlinien oder erhöhten Finanzierungskosten "bestraft", ist ein handfestes Argument für Risiko Management. "Solche formalen Zwänge haben jedoch vermutlich dazu geführt, dass Risiko Management in erster Linie als lästige Pflichtübung verstanden wird und nicht als leistungsstarkes Instrument zur Unternehmensführung", fürchtet Henrik Löffler, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Funk RMCE in Hamburg.

Vor allem viele mittelständische Betriebe haben sich über Präventionsmaßnahmen bislang nur wenige Gedanken gemacht. Allenfalls jedes zweite kleinere und mittlere Unternehmen investiert bislang in Risiko Management, schätzt Bernd Meyer, Geschäftsführer der Gothaer Risk Management GmbH in Köln. Dabei sollten jedem Inhaber und Geschäftsführer schon bei kurzem Nachdenken zahlreiche Ereignisse einfallen, welche die betriebliche Existenz massiv bedrohen könnten. Außer insolventen Lieferanten und kreditunwilligen Banken kommen höhere Gewalt, fehlende Nachfolgeregelungen, einbrechende Marktpreise sowie volatile Rohstoffindices und Wechselkurse in Frage.

Vor allem zwei Risiken werden Meyer zufolge notorisch unterschätzt-Betriebsunterbrechungen und Produktrückrufe -, für die jedes Unternehmen einen Plan in der Schublade haben sollte. Zudem: "Viele Firmengebäude sind gegen Katastrophen unterversichert, weil ihr Wert vor Jahren ermittelt worden ist und Anschaffungen oder Erweiterungen nicht berücksichtigt wurden", klagt der Experte. Je häufiger Versicherungsfälle auftreten, desto dringlicher wird ein Risiko Management. Vor allem Pkw- und Lkw-Flotten stehen wegen ihrer beträchtlichen Folgekosten im Fokus. Außer Reparaturen sowie Umsatz- und Gewinnausfällen müssen Selbstbehalte, Fahrzeugwertminderungen Prämienerhöhungen und unversicherte Transportschäden berücksichtigt werden.

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