Probleme für Absolventen
In der Krise setzen Firmen auf erfahrene Mitarbeiter

Mittelständische Weltmarktführer vertrauen in der gegenwärtigen kritischen Situation vor allem auf erfahrene Arbeitskräfte. Eine Untersuchung ihrer Internetauftritte Ende Januar zeigt, dass die Zahl der Stellenausschreibungen gegenüber Ende August 2008 um mehr als die Hälfte eingebrochen ist. Besonders schlecht sieht es für Absolventen aus.

DÜSSELDORF. „Die starken Unternehmen treten sehr intelligent auf die Bremse“, sagt Bernd Venohr, Professor an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin. Eine Untersuchung von Websites von 200 zufällig ausgewählten mittelständischen Weltmarktführern aus Deutschland durch ihn und die Berliner Personalberatung „Die Karrierepartner“ hat ergeben, dass IT-Fachkräfte, Ingenieure und Naturwissenschaftler auch in der Krise gefragt bleiben. Seit Jahren klagt die Wirtschaft über einen Mangel an qualifiziertem Personal in diesen Bereichen.

Ende Januar 2009 suchten mit 166 Unternehmen sogar 23 mehr als im vergangenen August Akademiker in den Bereichen IT, Ingenieurwesen und kaufmännische Berufe. Insgesamt waren jedoch nur noch 943 derartige Stellen ausgeschrieben nach zuvor 2 269. Der Großteil der gesuchten Kräfte waren im Januar die vom Rückgang noch am wenigsten betroffenen erfahrenen Ingenieure (621), gefolgt von Kaufleuten (162) und Informatikern (106). Hochgerechnet auf alle deutschen Weltmarktführer ergibt sich demnach ein aktueller Personalbedarf von etwa 7 500 Akademikern, alleine in Deutschland. Hinzu kommen noch die freien Stellen im Ausland.

Dramatisch auf 54 zurückgegangen sind im betrachteten Zeitraum die Ausschreibungen für Absolventen. Das ist nur noch rund ein Achtel des Wertes vom August. „Im Moment arbeiten die Unternehmen lieber mit gestandenen Leuten“, sagt Andreas Böhnke von der Personalberatung „Die Karrierepartner“. Vor den anfänglichen Investitionen, die bei der Einstellung von Absolventen nötig sind, schreckten Arbeitgeber dagegen offenbar zurück.

Unter den Studenten macht Böhnke eine Zwei- oder gar Dreiklassengesellschaft aus. „Um die besten Absolventen reißen sich alle Unternehmen.“ Auf 20 Prozent schätzt er den Anteil der Umworbenen. Insgesamt seien die Ansprüche deutlich gestiegen. „Da müssen sich einige Studenten auf den Hosenboden setzen.“ Ihnen mangele es beispielsweise am adäquaten persönlichen Auftreten, an Fremdsprachenkenntnissen oder an vernünftigen Praktika, die sie vorweisen könnten.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%