Prognose des BDIU
Gute Konjunktur bewahrt Firmen vor Pleiten

Dank der anziehenden Konjunktur dürfte die Welle der Firmenpleiten in Deutschland in diesem und im kommenden Jahr weiter abebben. 2007 dürfte die Zahl der Firmenpleiten dann erstmals seit dem Jahr 2000 deutlich unter der Marke von 30 000 liegen.

HB BERLIN. Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) erwartet für das laufende Jahr einen kräftigen Rückgang der Insolvenzen um 17 Prozent auf 30 500. Im kommenden Jahr werde der Trend trotz einer leicht schwächer erwarteten Konjunktur anhalten, hieß es am Montag. Bei den Verbraucherinsolvenzen hingegen verstärke sich der gegenläufige Trend. Hier sei in diesem Jahr mit einem kräftigen Anstieg um 30 000 auf den Rekordwert von 100 000 Pleiten zu rechnen und für 2007 mit einem Wert von deutlich mehr als 130 000.

Bis einschließlich August lagen die Firmenpleiten in Deutschland um rund 17 Prozent unter dem vergleichbaren Niveau des Vorjahres. „Davon profitiert insbesondere auch das Handwerk als Herz des Mittelstandes“, sagte BDIU-Präsident Stephan Jender in Berlin. Im Handwerk dürften die Insolvenzen im laufenden Jahr auf 4 200 von 4 500 zurückgehen. Rund drei Viertel aller zahlungsunfähigen Firmen haben nur bis zu fünf Beschäftigte, wie aus einer Umfrage unter BDIU-Mitgliedern hervorgeht. Hauptgründe für unbezahlte Rechnungen seien bei gewerblichen Schuldnern momentane Liquiditätsengpässe und hohe Zahlungsausfälle bei eigenen Kunden.

Die Inkasso-Branche und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) klagten über schlechte Zahlungsmoral der Schuldner, was nach Ansicht beider Verbände den Aufwärtstrend bei der Binnenkonjunktur gefährdet. Wichtigster Grund für fehlende Zahlungen von Privatkunden seien unberechtigte Reklamationen. ZDH-Präsident Otto Kentzler rief die Politik auf, das Forderungssicherungsgesetz rasch zu verabschieden und sprach von einem „Trauerspiel im deutschen Bundestag“. Das Handwerk verspricht sich von der Regelung, dass etwa ungerechtfertigte Mängelrügen erschwert werden. Dies könnte dazu beitragen, die Liquidität in vielen Betrieben zu sichern, sagte Kentzler.

Die Pläne der Bundesregierung, Verfahren der Verbraucherinsolvenzen zu vereinfachen, begrüßten BDIU und ZDH. Vor allem müsse eine außergerichtliche Einigung zwischen Schuldner und Gläubiger gestärkt werden. „Das ist aus unserer Sicht der Königsweg“, sagte Jender. Er kritisierte, dass viele Privatleute nicht nur aus Arbeitslosigkeit, sondern auch wegen mangelnder finanzieller Allgemeinbildung in die Verschuldung rutschten. Deshalb müsse es mehr Schulprojekte wie in Nordrhein-Westfalen geben, um schon jungen Menschen einen besseren und bewussteren Umgang mit Geld zu ermöglichen.

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