Ralph Beckmann
Familieninterne Unternehmensnachfolge

In einer familieninternen Nachfolgesituation sind viele Fragen zu klären. Ralph Beckmann, Leiter der Nachfolgeberatung bei der Commerzbank, erklärt Details zur Finanzierung oder den Besonderheiten von Familienholdings.
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Ralph Beckmann, Commerzbank AG, Leiter der Nachfolgeberatung

1.      Einstieg in Familienunternehmen

 

FRAGE

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

meine Familie betreibt ein mittelständiges Bauunternehmen mit ca. 200 Mitarbeitern sowie Steinbrüche und Michanlagen.
Nach Abschluss eines Ingenieurstudiums und einer dreijährigen Tätigkeit als Ingenieur bei einem deutschen Baukonzern soll ich mit 28 Jahren in den heimischen Betrieb einsteigen.

Welche Randbedingen sind dabei zu beachten?
Die Firmenanteile sind auf drei Familienangehörige verteilt von denen je ein Drittel auf meinen Vater; Großvater und Onkel entfallen.

Für weiterführende Informationen und Ratschläge wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Juchem

 

ANTWORT

Sehr geehrter Herr Juchem,

 

ich bin Prokurist in der Commerzbank AG/ Mittelstandsbank und berate Unternehmensnachfolgen für Mittelständler quer durch das Bundesgebiet.

Da Herr Dr. Ralph Beckmann, der Experte für das Handelsblatt und mein Kollege, sich gerade im verdienten Urlaub befindet, beantworte ich Ihre Frage.

 

Beim "Einstieg" ins Familienunternehmen sollte man v.a. folgende Punkte beachten.

 

Sie wollen in einem erfolgreichen Unternehmen arbeiten.

 

1) Wirtschaftliche und finanzielle Situation des Unternehmens:

Wie gut ist das eigene Unternehmen, wie gut ist die Ertragslage? Ist die Prognose für die Zukunft auf Wachstum in Umsatz + Gewinn ausgelegt? 

Trägt das Geschäftsmodell auch für die nächsten 10-20 Jahre? Der Gewinn (Ertrag) p.a. ist ein mindestens so wichtiger Faktor wie der Umsatz. Der Gewinn bestimmt beim produzierenden Unternehmen i.d.R. den Unternehmenswert. Einen ersten Eindruck gewinnt man durch die (Gruppen-) Bilanz zum 31.12.2010 und zum 31.12.2009 sowie die aktuelle BWA Q1/2011. Ihr Unternehmen dürfte eine Planung für 2011 und ggf. auf die nächsten Jahre haben.

 

2) Eigene Karriere

a) Welche Ausbildungsstationen im Unternehmen, jeweilige Zeitdauer.

b) Kann ich dann eine eigene verantwortungsvolle Position im Unternehmen bekommen?

c) Steht schon fest, ob ich -in einigen Jahren- Geschäftsführer werden kann? Was braucht es dazu?

 

3) Gibt es eine zweite Führungsebene?

Der Aufbau der zweiten Führungsebene ist im Hinblick auf die Nachfolge wichtig oder falls ein Geschäftsführer unvorhergesehener Weise ausfällt.

Mit zweiter Führungsebene ist gemeint: kaufmännischer Leiter, technischer Leiter, IT-Leiter, Leiter Personal, Leiter für ausländische Tochtergesellschaften etc.

Die Bank begrüßt es, wenn ein guter kfm. Leiter an Bord ist, da die Zusammenarbeit sich meist verbessert. 

 

4) Anteilsnachfolge:

a) Wie lange werden Vater, Großvater und Onkel, sofern in der Geschäftsführung,  im Unternehmen eine tragende Rolle geben?

b) Haben der/die Gesellschaftergeschäftsführer vom Unternehmen eine "Rente" (Pensionsverpflichtung) zu erwarten?

c) Steht schon fest, ob die Unternehmensanteile zukünftig -in der Familie- verschenkt oder verkauft werden?

 

5) Verfügen die Gesellschafter Vater, Onkel, Großvater für den Fall, dass ihnen etwas zustößt über je ein Testament?

Berliner Testament ist i.d.R. nicht gewollt, da dann die Gesellschaftsanteile im Fall des Falles auf die Ehefrau übergehen. Das Testament soll mit dem Gesellschaftsvertrag abgestimmt sein.

Vertretungsregelungen für die GF sind wichtig. Beim Steuerberater kann man sich einen sog. Notfallkoffer zusammenstellen lassen, der diese Punkte berücksichtigt. Für das Testament sollte aber ein Fachanwalt für Erbrecht oder Notar eingeschaltet werden, der die Expertise hat.

 

6) Ist die Struktur des Unternehmens (Organigramm) zeitgemäß und transparent?

 

7) Welche Rechtsform hat die Obergesellschaft? Falls es eine GmbH oder AG auf die erbschaftssteuerliche Begünstigung achten (§ 13b Abs. 1 Nr. 3 ErbStG). Gleiches gilt, falls im Unternehmen fremdvermietet Immobilien oder anderes sog. Verwaltungsvermögen sich befindet.

 

Herr Juchem, wir wünschen Ihnen viel Erfolg in dem Familienunternehmen!

 

Für Rückfragen bzw. weiterführende Gespräche stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Roman Hieronimus

Spezialist

 

Commerzbank AG

Mittelstandsbank

Financial Engineering Zentrale

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