Reform des Bilanzrechts
Professoren machen Front gegen Fair Value

Aktien und Anleihen sollen künftig zu Marktpreisen bilanziert werden. Bilanzexperten befürchten, dass künftig - je nach Börsenlage - hohe Buchgewinne oder immense Abschreibungen anfallen. Die neue Regelung rüttele an den Grundmauern des deutschen Bilanzrechts.

DÜSSELDORF. Eine Gruppe führender Wirtschaftswissenschaftler will verhindern, dass die heftig umstrittene Fair-Value-Bewertung in das deutsche Bilanzrecht Einzug hält. Diese Regel aus den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS wird mitverantwortlich dafür gemacht, dass weltweit mehrere Banken pleitegingen.

Fair Value fordert eine Bewertung von Finanzinstrumenten – also Aktien oder Anleihen – zu Marktpreisen. Diese beschert den Unternehmen bei boomenden Kapitalmärkten enorme Buchgewinne, umgekehrt können bei abstürzenden Börsenkursen immense Abschreibungen fällig werden. Für Banken gibt es deswegen inzwischen Ausnahmeregeln, um weitere Zusammenbrüche in der Zukunft zu verhindern. Nach dem Fair-Value-Prinzip müssen aber auch Industriekonzerne bilanzieren, wenn sie IFRS anwenden, was heute alle kapitalmarktorientierten Unternehmen auch tun.

Mit dem von der Bundesregierung geplanten Bilanzrechts-Modernisierungsgesetz (BilMoG) sollen künftig auch Mittelständler ohne Börsennotierung diese Regel anwenden und zwar bei zu „Handelszwecken erworbenen Finanzinstrumenten“. Dies können Aktien und andere Wertpapiere sein, die zum Zweck der vorübergehenden Geldanlage gekauft werden. Zahlen über das Anlagevolumen der nicht börsennotierten Mittelständler gibt es nicht. Doch allein die kapitalmarktorientieten führenden 127 deutschen Industrie-, Handels- und Dienstleistungskonzerne haben mehr als 100 Mrd. Euro Liquidität gehortet, die natürlich auch angelegt wird.

Die Bundesregierung plant eine Änderung des § 253 HGB. Damit soll eine entsprechende EU-Richtlinie umgesetzt werden, die vorschreibt, Finanzinstrumente nach dem Zeitwert zu bewerten. „Das rüttelt an den Grundmauern des deutschen Bilanzrechts“, sagen die Professoren Hartmut Bieg, Karlheinz Küting, Heinz Kußmaul, Gerd Waschbusch und Claus-Peter Weber. Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger steht auf der Seite der Fair-Value-Gegner.

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