Reifenhäuser
Kunden statt Konten im Blick

Das Unternehmen Reifenhäuser baut Maschinen und Anlagen zur Extrusion thermoplastischer Kunststoffe. Die beiden Geschäftsführer sind Brüder: Klaus kümmert sich um die Technik, Ulrich Reifenhäuser ist leidenschaftlicher Verkäufer der Plasikschmelzen.

BERLIN. Ulrich Reifenhäuser begann seine Karriere als Controller. Und dass der 51-Jährige einmal ins gleichnamige Familienunternehmen einsteigen würde, war auch nicht von vornherein klar. Heute ist er neben seinem Bruder Klaus Geschäftsführer der Reifenhäuser GmbH & Co in Troisdorf und hat seine Passion gefunden: Sein Herz schlägt für Marketing und Vertrieb. „Für den Kunden sind die 50 Tonnen wohlgeformter Stahl um die Elektronik der Maschine nicht wirklich entscheidend. Er fordert ein definiertes Produkt, eine gleichbleibende Qualität. Das ist für uns die Herausforderung“.

Das Unternehmen Reifenhäuser baut Maschinen und Anlagen zur Extrusion thermoplastischer Kunststoffe: Der Kunststoff wird in einem Extruder - auch Schneckenpresse genannt - aufgeschmolzen und dann mit Druck durch eine Düse gepresst. So erhält das Material die gewünschte Form.

Ulrich Reifenhäuser war nach seinem BWL-Studium erst drei Jahre Bereichscontroller Bautechnik bei Krupp Industrietechnik in Essen. Dann stand im Unternehmen seines Vaters ein Generationswechsel an. Der Senior bat ihn, sich zu bewerben. Wie jeder andere Interessent auch musste Ulrich Reifenhäuser den üblichen Bewerbungsprozess durchlaufen. Und bekam den Job im Controlling - auch aufgrund der Referenzen seines vorherigen Arbeitgebers. Sein Bruder Klaus folgte zwei Jahre später.

Ulrich Reifenhäuser wollte mehr im Unternehmen bewegen, als Zahlen und Prozesse zu überwachen. Er interessierte sich fürs Verkaufen, fuhr mit auf Messen. Dort traf er Anwender, hörte zu, was Kunden wünschen. Dem damaligen Geschäftsführer des Vertriebs fiel sein Verkaufstalent auf. „Er fand, man dürfe mich bei den Zahlen nicht vertrocknen lassen und warb mich intern ab“, erzählt Reifenhäuser.

Heute, gut 20 Jahre später, führen er und sein Bruder gemeinsam die Geschäfte: „Während Klaus sehr systematisch und intern arbeitet, bin ich kommunikationsfreudiger, habe meine Stärken eben eher in Markt- und Kundennähe“, so Ulrich Reifenhäuser. Er kümmert sich um die Kunden, sein Bruder Klaus um die Technik. „Und wie das in einer guten Familie eben ist, halten wir zusammen, auch wenn wir uns mal nicht einig sind.“ Der Maschinenbauer definiert sich bewusst als Familienunternehmen, das Werte wie Treue und Zusammenhalt im Arbeitsalltag spürbar machen will. „Auch wenn man das wirtschaftlich nicht immer umsetzen kann, fühlen wir uns den Mitarbeitern und ihren Familien gegenüber verantwortlich.“ In den schwierigen 90er Jahren wurde beispielsweise die Auszubildenden-Werkstatt weitergeführt. Die Geschäftsführung setzt beim Management auf kurze Wege zu Führungskräften und Mitarbeitern. Den firmeneigenen Chor haben die Mitarbeiter selbst gegründet, heute sind dort auch viele Pensionäre aktiv.

Als Ulrich Reifenhäuser Ende der Achtziger Jahre ins Unternehmen einstieg, hatte Vater Hans seit dem zweiten Weltkrieg aus der kleinen Firma einen weltweit operierenden Konzern geformt. Den Grundstein hatte Großvater Anton im Jahr 1911 mit dem Aufbau einer eigenen Schmiede gelegt. „Mein Vater war eher zufällig darauf gestoßen, dass sich mit der Kunststoffverarbeitung ein völlig neuer Werkstoffbereich öffnen könnte. Und er fand als Ingenieur, Techniker und Produktentwickler großes Interesse daran.“ Hans Reifenhäuser lenkte das Unternehmen patriarchalisch. „Jeder Führungsstil hat seine Zeit“, so Ulrich Reifenhäuser. „Es gibt bei uns nicht mehr einen einzigen Vordenker, sondern alle arbeiten im Team. Aber mein Vater hat die Firma ganz entscheidend geprägt. Leider erlebte er die vergangenen Jahre der Firma nicht mehr - die waren die erfolgreichsten." 2005 stieg der Umsatz auf 250 Mill. Euro, im laufenden Jahr sollen es rund 360 Mill. Euro werden.

Der gute Geist des Unternehmens ist die 79-jährige Mutter, die auch heute fast täglich vorbei schaut. Sie kennt sich in der fachlichen Materie hervorragend aus, nachdem sie ihren Mann über viele Jahre bei englisch-sprachigen Terminen als Übersetzerin begleitet hatte. „Ich glaube, sie könnte jederzeit eine unserer Maschinen verkaufen“, sagt Reifenhäuser. Wenn seine Kinder eines Tages ins Unternehmen einsteigen wollten, würde er es wie sein Vater halten: „Sie müssten sich erst in einem anderen Unternehmen beweisen. Aber ich würde mich natürlich freuen. Schließlich haben wir gezeigt, dass Reifenhäuser als Familienunternehmen gut funktioniert.“

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