Report 2008
Globalisierung: Europa wieder auf dem Radar

Warum in die Ferne schweifen? Die so genannten BRIC-Staaten sind bei weitem nicht so gut wie ihr Ruf. Die EU ist für deutsche Firmen die Region mit den attraktivsten Marktchancen, zeigt die Prognos-Studie.

DÜSSELDORF. Die chinesische Art, Geschäfte zu machen, ist Uwe Teichert einfach nur leid. „Da müssen Sie tausendmal mit den Leuten essen gehen und kommen am Ende trotzdem zu keinem klaren Ergebnis“, erzählt der Geschäftsführer des Leipziger Leuchtreklame-Herstellers NEL Neontechnik. Dreimal ist Teichert in den letzten Jahren in den Fernen Osten gereist. Mit zwei großen Banken hat er dortüber lukrative Aufträge verhandelt. „Die Stückzahlen, um die es in China geht, sind schon gewaltig“, erzählt Teichert. Aber die Gespräche kamen stets so zäh voran, dass dem Leipziger letztlich die Geduld ausging.

„Wir haben uns daher entschlossen, uns auf die Märkte vor unserer Haustür zu konzentrieren – das ist mit viel weniger Aufwand verbunden“, berichtet der Chef des sächsischen Mittelständlers mit 50 Beschäftigten und acht Millionen Euro Jahresumsatz. In Polen, Ungarn und Tschechien hat NEL eigene Niederlassungen eröffnet. In der vergangenen Woche reiste Teichert mit der Leipziger Industrie- und Handelskammer drei Tage nach Italien, um den dortigen Markt zu sondieren.

Das Beispiel zeigt: So faszinierend der wirtschaftliche Aufstieg von Ländern wie China auch ist – längst nicht für alle Unternehmen aus Deutschland ist ein Engagement in den boomenden Schwellenländern erste Wahl.

Vor allem die vier sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China sind für deutsche Exporteure und Investoren bei weitem nicht so attraktiv wie häufig angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt das private Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos in einer Exklusiv-Studie für das Handelsblatt. „Das gute Image, das die BRIC-Staaten genießen, ist zum Teil nicht durch die Realität gedeckt“, sagt Prognos-Chef Christian Böllhoff. „Diese Länder werden überschätzt.“

Exklusiv für das Handelsblatt haben die Experten der privaten Schweizer Wirtschaftsforschungsgesellschaft ein Ranking der hundert attraktivsten Auslandsmärkte für deutsche Unternehmen erstellt. Berücksichtigt wurden dabei alle Fragen, die Exporteuren und Investoren wichtig sind – von der Marktgröße über den Entwicklungsstand bis hin zu Korruption und politischer Stabilität.

Ein besonderes Augenmerk der Studie liegt auf der Offenheit der Länder für ausländische Unternehmen. So liefert der Globalisierungsreport erstmals einen systematischen Überblick über die Hürden, die deutsche Unternehmen in den hundert wichtigsten Auslandsmärkten nehmen müssen. Prognos hat dabei sowohl Zölle als auch nicht-tarifäre Handelshemmnisse und Handelsstreitigkeiten berücksichtigt.

Hauptzielgruppe der Untersuchung sind mittelständische Unternehmen. „Großkonzerne müssen überall in der Welt dabei sein. Mittelständler dagegen, die über weniger Ressourcen verfügen, sind gezwungen, sich genauer zu überlegen, wo sie aktiv werden und wo nicht“, erläutert Prognos-Projektleiter Michael Böhmer.

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