Risikostudie
Wo Geschäftsleute gefährlich leben

Entführungen in Kolumbien, Geiselnahmen in Brasilien, Schutzgelderpressung und kriminelle Banden in Russland, radikale Islamisten in Afrika, Tadschikistan und Usbekistan: Investoren müssen sich in vielen Regionen der Welt gegen zunehmende Gefahren wappnen. Eine Studie zeigt auf, wo es besonders gefährlich ist.

FRANKFURT. Die Risikoregionen hat der britischen Sicherheitsdienstleisters Control Risks herausgefiltert. „Aber die Welt wird nicht schrecklicher, die Risiken verschieben sich nur“, sagt Research-Chefin Jennifer Harbison.

Der Terrorismus bleibt nach wie vor die größte Bedrohung für Unternehmen und Investoren, nicht nur im Nahen und Mittleren Osten. So habe die Zahl der Anschläge auf Privatpersonen und Unternehmen sowie deren Besitz kontinuierlich zugenommen, heißt es in der Studie.

Insbesondere in Afrika und in den ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien, Aserbaidschan, Tadschikistan und Usbekistan sei eine zunehmende islamische Radikalisierung zu beobachten. Das ist gefährlich für westliche Investoren, die die reichen Ölvorräte rund ums Kaspische Meer ausbeuten wollen.

Gefährlich wird es auch im ölreichen Nigeria und vor allem rund um die Coltan-Minen im Nord-Kongo. Lokale Warlords kontrollieren den Handel mit dem kostbaren Rohstoff für Handy- und Computer-Chips. „Derzeit finden dort Wahlen statt, aber ob das der Region Stabilität bringt, muss das kommende Jahr zeigen“, sagt Harbison. Als neues Zentrum für die Terroristen von Al Qaida, Abu Sayyaf oder Gamal al Islamiah gilt unter Experten die Philippinen-Insel Mindanao.

Auch kriminelle Gangs machen ausländischen Geschäftsleuten rund um den Globus das Leben schwer. Neueste Variante von Geiselgangstern in Brasilien und Argentinien: Express-Kidnapping: Das Opfer ist nur wenige Stunden in der Gewalt der Entführer, meist wird es zum nächsten Geldautomaten gebracht und muss dort seine Freiheit mit Bargeld erkaufen. „Auch in China und Indien steigt die Zahl der Entführungen“, sagt Christof Bentele, Vorstandschef bei Aon-Crisis-Management, einer Tochter des weltgrößten Versicherungsmaklers Aon. „Indien zählt für uns inzwischen zu den Top Five bei Entführungen von Expatriates. Das gilt vor allem für Wirtschaftszentren wie Bangalore, Mumbai, Delhi, Hyderabad und Chennai.“

Doch zumindest die Lösegeldforderungen seien bislang moderat. „Meist geben sich die kriminellen Banden mit rund 150 000 bis 250 000 Dollar zufrieden“, sagt er. In Russland oder Georgien hingegen fingen Verhandlungen erst ab einer Million Dollar an. „Bandenkriminalität und mafiöse Strukturen sind für Geschäftsleute die größte Gefahr in Russland, sagt auch Control-Risks-Expertin Harbison, das gelte auch für Südafrika.

Doch nur wenige deutsche Unternehmen suchen das Risiko: „Nach unseren Beobachtungen sind deutsche Unternehmen sehr zurückhaltend mit Investitionen in Hoch-Risiko-Gebiete“, sagt Alexander Lau, Außenwirtschaftsexperte des DIHK. „Wer trotzdem dorthin expandiert, stellt vor allem Einheimische ein, die kennen die Risiken.“

Wie Control Risks vorgeht

Sicherheitsrisiko: Die Skala zur Bewertung von Sicherheitsrisiken reicht von insignifikant über gering und mittel bis hoch und extrem hoch. In die letzten beiden Kategorien fallen insgesamt 53 Länder, die der Dienstleister Control Risks entweder komplett oder in Teilen als gefährlich oder sehr gefährlich für ausländische Unternehmen einstuft.

Politisches Risiko: Control Risks misst außerdem die politischen Risiken eines Landes. Denn Korruption, eine unsichere Rechtslage und Produktpiraterie vermiesen das Geschäft. Am meisten gefälscht wird in China: Jedes Jahr werden dort imitierte Produkte im Wert von rund 16 Mrd. Dollar im Land verkauft. Die Exporte liegen weit höher.

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