Rohstoff-Diebstahl
Preisanstieg bei Stahl und Kupfer lockt Diebe

Metall verarbeitende Unternehmen müssen sich immer massiver gegen Rohstoff-Diebstahl schützen. Viele Unternehmer reagieren und verkleinern zum Schutz die Lagervorräte. Versicherungen warnen vor einer Unterdeckung der Einbruchdiebstahl-Versicherung und raten den Unternehmern, die Rohstoffpreise besonders gut im Auge zu behalten.

KÖLN. Wenn Karl Schwanbeck aufzählt, mit welchen Sicherheitsvorkehrungen er das Lager in seinem Unternehmen absichert, könnte man meinen, er spreche über Fort Knox. Infrarotstrahler schützen das, was im Freilager auf dem Hof liegt, Kameras, die regelmäßig ein Funksignal abgeben, filmen die Umgebung. Wird das Signal unterbrochen, rückt die Polizei an. Die käme in diesem Fall allerdings nicht, um Goldreserven zu retten - sondern Kupferrohre.

Schwanbeck ist Geschäftsführer des Sanitärgroßhandels D. F. Liedelt GmbH im schleswig-holsteinischen Norderstedt. Und die Kameras und Infrarotstrahler hat er aus gutem Grund montieren lassen: Gleich sechs Mal beraubten Diebe in den vergangenen zwei Jahren das Unternehmen.

Sie schlossen die elektrisch gesicherten Tore kurz, schnitten Löcher in den Zaun, schalteten Kameras, Alarmanlage und Bewegungsmelder ab und rückten einmal gar mit einem gestohlenen Postwagen an, mit dem sie innerhalb von zwei Stunden acht Tonnen Kupferteile abtransportierten. "Das ist fast banküberfallmäßig gelaufen", sagt Schwanbeck. "Die sind immer professioneller vorgegangen."

Insgesamt klauten die Diebe Kupferrohre im Wert von 125 000 Euro. Nach dem sechsten Diebstahl entschloss sich das Unternehmen zu einer größeren Investition in die Sicherheit und schaffte für etwa 20 000 Euro die neuen Kameras und Infrarotstrahler an. Seitdem herrscht Ruhe. "Man kann sich nur schützen, wenn man Technik montiert, die kaum manipulierbar ist", ist heute Schwanbecks Fazit.

So wie der norddeutsche Sanitärhändler sind seit 2006 viele Unternehmen, die größere Mengen Metall lagern, Opfer von Metalldieben geworden. Seit dem frühen Sommer 2006 ist vor allem der Kupferpreis stark gestiegen und liegt derzeit bei etwa 8 670 US-Dollar pro Tonne. Auch die Preise für andere Metalle wie Blei und Aluminium zogen an. Infolgedessen wurden die Diebe immer dreister.

Mittlerweile transportieren sie sogar tonnenschwere Bronzeskulpturen aus öffentlichen Parks und Museen ab, schmelzen sie ein und verkaufen das in der Legierung enthaltene Kupfer - freilich für einen Bruchteil des Kunstwerk-Wertes. "Man sollte nicht leichtfertig mit Kupfer umgehen", appelliert deshalb Ingrid Keller vom Deutschen Kupferinstitut. "Es ist ein Wertstoff, es hat einen Wert." Den Wert ihrer Metalllager wissen inzwischen vermutlich mehr Metall verarbeitende Unternehmen als je zuvor zu schätzen - und geben sich entsprechende Mühe, ihr Eigentum so gut wie möglich zu schützen.

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