Schlechtere Ratings
Bremsspuren in der Bilanz

Durch den Abschwung müssen viele Unternehmen mit schlechteren Ratings rechnen. Wer sich nicht rechtzeitig wappnet, wird es künftig schwer haben an Kapital zu kommen. Experten rechnen damit, dass die Zinsen steigen oder sogar ihre Kreditlinien gekürzt werden. Vielen Unternehmen droht sogar die Insolvenz.

DÜSSELDORF. Die Finanzkrise droht, auf die Realwirtschaft überzugreifen. Die Politik will deswegen Milliardenbeträge bereitstellen - auch aus der Sorge heraus, dass die Banken weniger Kredite vergeben und dadurch die Wirtschaft weiter gebremst wird. In diesem Falle könnte aus der Finanz- eine neuerliche Kreditkrise werden, von der auch der Mittelstand betroffen wäre.

Banken versprechen indes, den Geldhahn nicht zuzudrehen. Die Commerzbank zum Beispiel will "ihrer besonderen Bedeutung für die Kreditversorgung der Unternehmen auch künftig gerecht werden", sagt Martin Fischedick, Konzernleiter Corporate Banking des Instituts.

Ein wichtiger Hebel zur Klärung der Frage nach der Kreditversorgung ist das Rating. Davon hängen die Bonitätseinschätzungen und in Folge die Kreditkonditionen ab. Durch die Finanzkrise haben sich die Kriterien der Ratingverfahren im Wesentlichen nicht geändert. Das wäre auch nicht sinnvoll, meint Michael Munsch, Vorstand der Creditreform Rating AG - die Vergleichbarkeit wäre nicht mehr gegeben: "Wenn man die Währung ändert, dann ändert sich das ganze System."

Geändert haben sich allerdings die äußeren Umstände. "Abschwungsszenarien werden in den Ratings verarbeitet", sagt Munsch: "Unternehmer müssen sich kritischer hinterfragen lassen." Marktrisiken würden in den Ratings stärker berücksichtigt, die Aussagen zu einzelnen Märkten würden darauf überprüft, ob sie zutreffen. "Es ist zu erwarten, dass die Insolvenzzahlen steigen werden, sagt der Creditreform-Experte.

"Kreditinstitute haben verschiedene Branchen im Blick", hat Bernd Papenstein beobachtet. Er ist beim Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers (PwC) in der strategischen Finanzierungsberatung tätig. Sorgenfalten bekommen die Banker derzeit zum Beispiel bei Kfz-Zulieferern, Möbelherstellern oder Baumarkt-Zulieferern. Aufgrund der hohen Energiekosten sind Verbraucher offenbar sogar in diesem einst krisenresistenten Segment zurückhaltender.

Die Konsequenzen sind leicht vorstellbar: Die Ratings verschlechtern sich, die Unternehmen müssen höhere Zinsen zahlen oder bekommen ihre Kreditlinien gekürzt. "Das wird Mitte nächsten Jahres durchschlagen", vermutet Papenstein. Spätestens dann legen die Unternehmen ihre Bilanzen vor - und die Bremsspuren werden sichtbar.

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