Schlüsseltechnologie
Solarthermie füllt deutsche Auftragsbücher

Seitdem immer mehr Länder wie Spanien erneuerbare Energien fördern, wird die solarthermische Kraftwerkstechnik neu entdeckt. Die Anlagen dienten bisher meistens zur Erwärmung von Wasser, nun sollen sie auch Strom erzeugen. Beim Bau solcher Solarkraftwerke sind deutsche Firmen ganz vorne dabei.

KÖLN. Die Ausmaße der Anlage in der spanischen Sierra Nevada werden gigantisch sein: Auf einer Fläche von 70 Fußballfeldern errichten 500 Arbeiter der Erlanger Solar Millennium AG das erste Solarkraftwerk Europas. Der erste Block ist bereits fertig, zwei weitere sollen bis Ende 2009 stehen. Dann wird das weltweit größte Solarkraftwerk Strom für bis zu 200 000 Menschen produzieren.

Seitdem immer mehr Länder wie Spanien erneuerbare Energien fördern, wird die solarthermische Kraftwerkstechnik neu entdeckt. Die Anlagen dienten bisher meistens zur Erwärmung von Wasser, nun sollen sie auch Strom erzeugen. In so genannten Parabolrinnenkollektoren werden Sonnenstrahlen über Spiegel auf ein Empfänger-Rohr konzentriert, in dem ein Öl als Wärmeträger zirkuliert. Damit erzeugt die Anlage Wasserdampf, der eine Turbine antreibt und Strom produziert – wie im Kohlekraftwerk, aber ohne klimaschädliche Abgase. Schon nach fünf Monaten hat ein Solarthermie-Kraftwerk die Energie produziert, die für seinen Bau aufgewendet wurde.

„Die Technik ist zuverlässig und marktreif entwickelt", sagt Hans Müller-Steinhagen, Leiter des Instituts für Technische Thermodynamik beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), einem der weltweit führenden Institute zur Erforschung der Solarthermie. „Vor allem in sonnenreichen Regionen können solarthermische Kraftwerke langfristig einen wichtigen Teil der Energieversorgung decken."

Einer Greenpeace-Studie zufolge könnten Solarthermie-Kraftwerke im Jahr 2030 weltweit die 100 000 Megawatt-Marke erreichen. In den kommenden Jahren soll in Marokko, Ägypten, Algerien, China, Iran, Saudi-Arabien, Kuwait und den USA gebaut werden – potentielle neue Märkte für die deutschen Hersteller. „Die heimische Industrie hat derzeit einen Anteil von 25 Prozent an der Wertschöpfung beim Bau von neuen solarthermischen Kraftwerken, und das weltweit", sagt DLR-Experte Müller-Steinhagen.

Zu den großen Playern gehört die Mainzer Schott AG als Weltmarktführer für Receiverrohre. In früheren solarthermischen Kraftwerken verursachten diese Bauteile häufig Ausfälle, weil sie den hohen Temperaturen von rund 400 Grad nicht immer standhielten. Schott verbesserte die Konstruktion mit einem speziellen Glas, das sich beim Erwärmen genauso stark ausdehnt wie Metall. „Wir rechnen damit, dass sich der Markt für solarthermische Kraftwerke unglaublich schnell entwickeln wird", sagt Christoph Fark, Leiter des Bereichs Vertrieb und Marketing bei Schott. „Im Jahr 2015 wird die weltweit installierte Leistung mindestens fünf Gigawatt betragen, und das ist eher konservativ geschätzt." Schott baut seine Produktionskapazitäten darum massiv aus und investiert 27 Mill. Euro in eine neue Fabrik in Sevilla, die ab 2008 jährlich Receiverrohre für eine Kapazität von 150 bis 200 Megawatt fertigt.

Von den Kraftwerken soll langfristig auch das sonnenärmere Europa profitieren: 2050 könnten nach DLR-Studien 15 Prozent des Stromverbrauchs durch den Import von Solarenergie aus Nordafrika und dem Mittleren Osten abgedeckt werden. Über Hochspannungsleitungen unter dem Mittelmeer könnte im Jahr 2025 der erste Strom aus nordafrikanischen Anlagen nach Deutschland importiert werden, schätzt Experte Müller-Steinhagen. Rein rechnerisch reicht bereits weniger als ein Prozent der Sahara aus, um mit solarthermischen Kraftwerken den kompletten weltweiten Energiebedarf zu decken.

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