Schluss mit anonym
Familienunternehmen gehen in die Markenoffensive

Sie wirtschaften oft erfolgreich - aber ihre Namen kennt kaum jemand. Viele Familienunternehmen leben im Verborgenen. Für Royalbeach soll das vorbei sein. Der Hersteller wagt sich mit eigenen Marken aus der Deckung.
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Kirchanschöring/DüsseldorfWahrscheinlich ist Royalbeach in den meisten deutschen Haushalten irgendwo vertreten. Schließlich beliefert das Familienunternehmen aus Oberbayern seit fast zwei Jahrzehnten den Discounter Aldi sowie zahlreiche Supermarktketten mit Fitness- und Freizeitartikeln. Gleichwohl ist der Mittelständler in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt, denn die Trampoline und Planschbecken, Rückentrainer oder Rucksäcke, Ergometer oder Nordic-Walking-Stöcke werden fast immer unter Kunstnamen der Händler angeboten.

Royalbeach ist nur ein Beispiel von vielen. Die Keks- und Waffelfabrik Hans Freitag aus Verden etwa produziert in dritter Generation Gebäck unter eigenem Namen, aber 60 Prozent seiner 130 Produkte stellt das Unternehmen für die Marken führender Handelsorganisationen her.

Und Daniel Terberger gibt sogar freimütig zu: „Uns kennt kaum jemand.“ Der geschäftsführende Gesellschafter der Katag AG in Bielefeld stellt sein Unternehmen ganz in den Dienst seiner Kunden: mehr als 370 Handelsunternehmen. Katag entwirft Mode unter verschiedenen Markennamen, lässt sie in China, Indien oder Bangladesch fertigen und liefert vielen Mittelständlern alles, was sie für einen professionellen Auftritt ihrer Labels brauchen.

Katag, Hans Freitag, Royalbeach – sie alle sind Familienunternehmen, die in ihrer Region bekannt sind, ihren Namen aber beim Endverbraucher gar nicht oder nur teilweise einsetzen. Katag in Bielefeld setzte 2011 mehr als 900 Millionen Euro um, das Unternehmen spielt also beim Umsatz in einer ganz anderen Liga als Hans Freitag mit im Jahr 2010 rund 58 oder Royalbeach mit 65 Millionen Euro. Dennoch ist Terberger überzeugt: „Die Kunden müssen uns kennen, die Kunden unserer Kunden nicht.“

Doch Royalbeach wagt sich nun an die Öffentlichkeit und will bekannter werden. „Wir treten jetzt stärker als Marke auf“, sagt Geschäftsführer und Mitgesellschafter Hans Jürgen Münch. Auf der einen Seite vertreibt das Unternehmen nun erstmals Ware der Marke „RBSports by Royalbeach“ in Onlineshops, auf der eigenen Homepage und in Supermärkten der Metro-Gruppe oder Kaufhäusern wie Kaufhof. Auf der anderen Seite steigt der Betrieb ins Geschäft mit LED-Leuchten ein. Dafür hat Münch sogar ein eigenes neues Label geschaffen, „Velios“. Die Markenoffensive soll dazu beitragen, den Umsatz in den kommenden drei Jahren auf 100 Millionen zu steigern. Der Gewinn betrug 2011 gut eine Million Euro.

Das 1989 gegründete Unternehmen ist vor allem durch Europas größten Discounter groß geworden. Eine langjährige Geschäftsbeziehung zu Aldi sei ein riesiger Vorteil für mittelständisch geprägte Unternehmen, meint der Unternehmensberater Franz Maximilian Schmid-Preissler. „Das Geschäft ist dadurch berechenbar und die Firma verdient Geld, das sie in den Markenaufbau stecken kann.“

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Selbst Sporthändler kaufen bei den Bayern ein

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