Schwieriges Markt
Russland erfüllt nicht alle Erwartungen

Kaum Aufträge, wenig Perspektive - der Hoffnungsmarkt Russland ist für viele deutsche Elektronik- und Mikroelektronikhersteller eine Enttäuschung. Für die Produktion von High-End-Geräten fehlt der Region das Know-How, der Export nach Russland wird durch umständliche gesetzliche Rahmenbedingungen behindert.

DÜSSELDORF. Geschlossen präsentierte sich im vergangenen Herbst die deutsche High-Tech-Industrie auf der Moskauer ChipExpo, einer der wichtigsten russischen Messen für Elektronik und Mikroelektronik. Neun Unternehmen teilten sich den Gemeinschaftsstand, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Einige mittelständische Aussteller des deutschen Pavillons gingen mit wichtigen Erfahrungen nach Hause - dafür ohne neue Aufträge und wenig Perspektiven. "Für uns war die Messe sehr ernüchternd", resümiert Roland Obst, Geschäftsführer von Creative Chips, einem Spezialisten für Anwendungsspezifische Integrierte Schaltkreise (ASIC) aus Bingen bei Mainz.

Kurz- und mittelfristig sei für die Rheinland-Pfälzer in Russland nichts zu holen, glaubt Obst. Das liege an den wirtschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen, die deutschen Anbietern anspruchsvoller Mikroelektronik den Weg zum viel gepriesenen Zukunftsmarkt versperren. "Das Know-How, innovative Technologie einzusetzen, ist in der russischen Elektronikindustrie nicht vorhanden", weiß Obst. Stattdessen setzen die einheimischen Hersteller auf Standardkomponenten. Nur mit solcher Massenware ließen sich gute Geschäfte machen.

So wie der deutsche Chipanbieter Memphis, der sich als Vertreiber von handelsüblichen Speicherlösungen in Russland positioniert hat. Marco Mezger, Vorstandsmitglied der Firma aus Bad Homburg, sieht in dem gut 140 Mio. Einwohner starken Land viel Pozential. "Russland ist ein Binnenmarkt, der alles konsumiert - auch wenn High-End-Geräte noch in anderen Teilen der Welt gebaut werden", sagt Mezger. In den vergangenen Jahren haben sich einige umsatzstarke Branchen innerhalb der Elektroindustrie entwickelt: Sicherheitstechnik, Unterhaltungselektronik und vor allem Technologie für die Telekommunikation. Daher ist auch der Umsatz der Hersteller für elektronische Komponenten massiv angewachsen. Von knapp 500 Mio. US-Dollar im Jahr 2002 auf über 1,7 Mrd. US-Dollar im vergangenen Jahr, belegen Studien der Electronica Media Group, einem russischen Fachverlag für die Elektronikindustrie.

Für ausländische Anbieter ist es indes nicht einfach, von diesem Wachstum zu profitieren. "Vor allem als kleines Unternehmen musst du viel Kraft und Ausdauer mitbringen - in Russland geht nichts schnell", sagt Mezger. Zu groß seien die Unterschiede zwischen der Geschäftsmentalität westlicher und russischer Partner. Nicht selten scheitern mögliche Vereinbarungen an den mangelnden Englischkenntnissen der Russen, klagen deutsche Unternehmer. "Ohne einen Muttersprachler brauchst du da gar nicht hingehen", sagt Mezger aus eigener Erfahrung. Aus diesem Grund unterhält Memphis seit Mitte dieses Monats eine Niederlassung, in der ein sprach- und ortskundiger Mitarbeiter die russischen Kunden der Hessener betreut.

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