Aufwärtstrend
Zahl der Freiberufler auf Rekordhoch

Selbstständige Anwälte, Steuerberater, Ärzte und Architekten erwirtschafteten vergangenes Jahr mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl steigt. Wenigstens dieser Aufwärtstrend ist ungebrochen.
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BerlinDie Zahl der Freiberufler in Deutschland steigt auf ein neues Allzeithoch. Nachdem zu Beginn des vergangenen Jahres die Marke von einer Million bereits überschritten worden war, weisen die jüngsten Zahlen erneut ein Plus von 4,3 Prozent auf rund 1,2 Millionen Freiberufler aus. Das geht aus der aktuellen Statistik des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) hervor, die am Montag offiziell vorgestellt wird und die dem Handelsblatt vorliegt.

"Offenbar haben auch die krisenhaften Erscheinungen auf den Finanzmärkten und in der Wirtschaft die Nachfrage nach Vertrauensdienstleistungen stimuliert", sagte BFB-Präsident Rolf Koschorrek auf Nachfrage. Die selbstständigen Anwälte, Steuerberater, Ärzte und Architekten hatten zuletzt 2011 zusammen mit ihren Beschäftigten mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet.

Der Trend einer wachsenden Zahl von Freiberuflern ist seit Jahren ungebrochen. Dabei zeigt sich: In den klassischen Berufen wie der Anwaltschaft, Wirtschaftsprüfern oder Steuerberatern klettern die Zahlen nach wie vor umgebremst weiter. Am stärksten wachsen derzeit die freien Heilberufe.

Zudem werden laut Statistik die freien Berufe als Arbeitgeber immer wichtiger. Die Zahl der Beschäftigten - ohne Auszubildende - stieg um drei Prozent, auf 2,78 Millionen. Die Zahl der Auszubildenden sank dagegen leicht von rund 128 000 auf 125 000. Insgesamt waren damit mehr als 4,3 Millionen Personen in diesem Bereich beschäftigt.

Diese Entwicklung könnte bald aber an ihre Grenzen stoßen. Um dies zu verhindern, muss nach Ansicht des Verbands der Fachkräftemangel behoben werden. "Besonders für freie Berufe muss es leichter werden, sich im Ausland nach Mitarbeitern umzusehen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die direkt zusammenkommen wollen, brauchen unbürokratische und direkte Unterstützung", forderte BFB-Präsident Koschorrek. Den Arbeitnehmern seien Mobilitäts- und Eingliederungshilfen anzubieten, etwa in Form eines Darlehens von bis zu 25 000 Euro. Damit sollten Sprachkurse und Umzugskosten abgemildert werden, sagte Koschorrek.

Die insgesamt positive Entwicklung führt nicht automatisch dazu, dass neue Arbeitsplätze entstehen. Dazu nötig seien auch neue Geschäftsfelder. Diese könnten zum Beispiel mit einer beschleunigten Energiewende entstehen. "Ob technisch, bauplanerisch, verfahrenstechnisch, beratend oder auch rechtlich, die freien Berufe werden ihrer besonderen Verantwortung auch in puncto Energieeinsparung und Energieträger durch ihre hochqualitative Leistung nachkommen", versicherte Koschorrek.

Zudem muss nach Angaben des Verbands so früh wie möglich ein positives Bild von Selbstständigen und Unternehmern gezeichnet werden. "Spätestens in der Schule muss der Nachwuchs vorurteilsfrei mit der Möglichkeit vertraut gemacht werden, dass er sein Geld nicht nur als Beschäftigter, sondern auch als Freiberufler, Selbstständiger oder Unternehmer verdienen kann", heißt es weiter in einem Positionspapier des BFB. Existenzgründungen seien für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung schließlich "unverzichtbar."

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

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  • So schlecht sind die Stündensätze doch gar nicht! So fakturieren Freelancer im Bereich IT-Wartung zwischen 32 bis 75 Euro die Stunde (siehe http://www.freelance-market.de/c/IT-Wartung)

  • Gerade im Anwaltsbereich ergreifen diejenigen die Selbstaendigkeit, welche keinen ordentlich bezahlen Job bekommen koennen. Einen 12 h Tag bei 1500 EUR netto ableisten zu muessen, da kann man sich ja gleich selbstaendig machen, und wenigstens in die eigene Tasche wirtschaften,die Arbeitsbelastung ist da auch nicht hoeher.Ausserdem sind die steuerlichen Abzugsmoeglichkeiten bei Selbstaendigkeit interessanter. Die zunehmende Selbstaendigkeit ist ein Alarmsignal dafuer, dass selbst bestens ausgebildete Fachkraefte nicht mehr ordentlich bezahlt werden.

  • geistiger Dünnschiss, den Sie da von sich geben!

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